Was ist KATABASIS?

KATABASIS bedeutet auf Griechisch „Unterweltfahrt“ und die Spieler spielen einen solchen Unterweltfahrer. Was KATABASIS von anderen Old-School-Spielen unterscheidet ist vor allem der „Flavor“, die Geschmacksrichtung:

 

Die Geschichte spielt im Jahre 270 v. Chr. zur Zeit der drei griechisch-makedonischen Imperien, die die bekannte Welt unter sich aufteilen, nach Jahrzehnten des Krieges und nach Schlachten, wie sie die Welt noch nie zuvor gesehen hat. 

Dieses Zeitalter hat Armut in der Welt hinterlassen und ganze Armeen an Söldnern. Doch nun befinden sich die Reiche in einer Konsolidierungsphase. Die großen Beutestücke wurden bereits aufgeteilt und die meisten Söldner sind sich zu schade, um sich in endlosen Grenzkonflikten gegen eine aufständische Bevölkerung in den Provinzen dahinraffen zu lassen. Viele haben nie ein anderes Handwerk als das Töten gelernt. In den neuen Leistungsgesellschaften ist Bildung der Schlüssel zum Aufstieg, doch die meisten Söldner können wie die meisten Griechen überhaupt – die Gesellschaften sind immer noch zum größten Teil landwirtschaftlich geprägt – nicht lesen und schreiben. Im Zivilleben sind viele von ihnen aufs Betteln angewiesen. Einige sind Zeit ihres Lebens in Söldnertrossen umhergezogen und nur nominell Bürger einer Polis. Eine richtige Heimat, in der sie willkommen wären, haben viele nicht. Die einfachen Bürger trauen ihnen nicht und die Politiker wollen sie für ihre eigenen Kämpfe einspannen.

Die Charaktere spielen genau solche Söldner. Doch für sie hat sich eine zweite Chance ergeben, eine besondere Gelegenheit, für die Tyche sie auserwählt hat. Es geht das Gerücht um von reichen Grabbeigaben und vom Fährgeld der Toten selbst. Nicht allzulang später stehen die Charaktere vor einem scheinbar gewöhnlichen Höhleneingang, alten Tempelruinen oder Ähnlichem..

 

katabasis+characterS

Die drei Charaktertypen: der „normale“ Grieche, der ein wenig Magie aufgeschnappt hat (Wanderzauberer), die Zauberin, meist Priesterin, und der Krieger.

 

 

KATABASIS ist ein Rollenspiel der Old-School-Renaissance (OSR). Es baut damit auf Dingen auf, die seit 40 Jahren besonders gut im Rollenspiel funktionieren. Das wäre zum einen das Spiel im Dungeon, hier ist es die griechische Unterwelt. Zum anderen  das zweite Rollenspiel der Welt: Tunnels & Trolls (T&T): ein Spiel, das als vereinfachte Hausregel-Version der damaligen, ersten Version von Dungeons & Dragons (OD&D) entstanden ist und sich anders als sein älterer Bruder in seiner 39-jährigen Laufbahn kaum verändert hat.

Ein Ziel war es bei KATABASIS, die Unterwelt als einen „realistischen“ Ort zu gestalten. Aber es spricht auch nichts dagegen, das Spiel trashig zu spielen, das hat im Rollenspiel eine lange Tradition und es ist nie zu spät, zu erkennen, dass auch ein Rollenspiel (nur) ein Spiel ist! Die Gruppe kann hier selbst entscheiden was sie will. Die eine Spielweise ermöglicht ein stimmungsvolles Spiel, die andere ermöglicht es völlig frei, kreativ und sogar spontan lauter spielmechanische Herausforderungen einzubauen: Aufklärung verdeckter Informationen, Pläne, an Schätze heran zu kommen, Durchführung der Pläne und der erfolgreiche Abschluss mit dem Rückzug – und dazwischen funken natürlich die Moiren mit ihrem stark nach Zufall wirkenden Schicksal, dem sich sogar die Götter beugen müssen.

 

 

Wie sich schon früh herausstellen wird, sind die Charaktere  nicht die einzigen Menschen in der Unterwelt. Auch andere Gruppen haben ihre verworrenen Pläne. Das Gold unter der Erde zieht unterschiedliche Menschen an, manche sind von Gier getrieben, für andere ist der Ort ein düsteres Heiligtum und sie seine Wächter, andere sind nur schwer zu durchschauen und sind auf Befehl mächtiger Königreiche da, andere wiederum suchen mächtige Zauber, Kontakt mit längst vergessenen, gefährlichen Wesenheiten und Zugang zu neuen Daseinsweisen.

In der Unterwelt liegen nicht nur die scheinbar herrenlosen Gräber mit ihren Grabbeigaben und den Fährgeldern der Toten. Die Unterwelt ist bewohnt. Gefangene, Dienern Hades, z. B. dem vielköpfigen Kerberos, und vor allem von den Schatten. Viele von ihnen sind von einem Neid und Hass auf Menschen getrieben. Andere befinden sich untereinander im Krieg. Es sind die Herren einstiger, mächtigen Königreiche: Mykene, Theben, Pylos, Calydon, das minyische Königreich, Knossos und Ilion. In der Welt der Menschen sind sie schon lange untergegangen und vergessen, in der Unterwelt sind sie verdammt, ihre Fehden in den verlassenen Landstrichen der Schattenwelt bis in Ewigkeit fortzuführen um uralte Vergehen abzubüßen. Wer weiß, vielleicht würden sie sogar die Ruhestörung durch einen Menschen in Kauf nehmen, wenn sie ihre uralten Feinde schwächen könnten? Hier finden sich vergessene Götter im Exil mitsamt der verfluchten Völker, die sie anbeten. So ist es doch genauer, eher von einem Grenzbereich der Unter- welt zu reden, von einem Niemandsland am Rande der Unterwelt.

 

 

Das zugrundeliegende System von Tunnels & Trolls ist (trotz des wirklich albernen Namens) ein Juwel. Es ist nicht nur sehr einfach – in 10 Minuten können die Regeln zur Charaktererschaffung erklärt werden –, es bietet vor allem auch nachvollziehbare Regeln an. Der Spielleiter kann so mit ihnen optimal improvisieren und Situation in der Fiktion intuitiv in Regeln fassen. Für den Spieler funktioniert das Regelsystem zuverlässig als ein Kreativitätstriebwerk:  er kann jederzeit mit nur einem Wurf auf einem der 6 Hauptwerte des Charakters ein beliebiges Kunststück („Stunt“) versuchen, etwas riskieren um bei Erfolg noch mehr herauszuholen, jedoch fällt er beim Scheitern entsprechend tiefer. Die Effekte von diesem gepushten Erfolg und dem verschärften Scheitern werden kurz vor dem Wurf mit dem Spielleiter situations- und schwierigkeitsabhängig geklärt. So stellt sich heraus, dass T&T  etwas für Anfänger, für Veteranen und für Liebhaber der Rollenspielgeschichte gleichermaßen ist.

 

Hero'sCard

Ein Blick auf das Charakterblatt lässt vermuten, wie einfach das Spiel und die Charaktererschaffung ist.

 

Der Spielleiter bekommt alles an die Hand, was er für ein Rollenspiel der alten Schule braucht, inklusive einer genauen Hilfestellung, um Abenteuer von anderen Rollenspielen (insbesondere D&D zu verwenden, veröffentlichte Dungeons in seinen Dungeon einzubauen und zu guter Letzt: einen Megadungeon zu leiten und einen eigenen Megadungeon zu erstellen.

Mit dieser Spielweise kann eine Gruppe einmal monatlich Abenteuer erleben oder jede Woche oder wie es den Beteiligten passt. Das größte Problem für das Hobby (nach der Schulzeit) ist jedoch der Zeitmangel der Spieler und der organisatorische Aufwand. Aber auch hier bietet KATABASIS Hilfe an: es gilt die Regel, dass die Spieler am Ende des Abends immer aus der Unterwelt herauskommen. Verpassen sie jedoch den vereinbarten Termin für das Ende der Sitzung, so drohen ihnen ganz andere Gefahren. Sie müssen einen Wurf auf einer Tabelle bestehen und entkommen dem Dungeon nur in diesen Fall. So ist jede Sitzung eine abgeschlossene Einheit und es entfällt ein wenig der Organisationsaufwand für die darauffolgende Sitzung: der Spielleiter kann einfach weiterspielen, sobald sich genug Spieler finden, die Zeit haben und das können auch immer wieder andere Gruppen sein, je nachdem welche Spieler sich gerade zusammenfinden. Und das beste ist, das Regelsystem von T&T bestraft die Spieler, die keine hohe Stufe haben, in keinster Weise.

Eine weitere Besonderheit von KATABASIS ist, dass es ein wenig zwischen Fanzine und Regelwerk angesiedelt ist. Im Text sind viele Links erhalten, die Personen aus der Online-Community zitieren, zu wichtigen Aussagen und Diskussionen in Blogs und Foren führen. Auf diese Weise erhält der Leser einen spannenden Einblick darin, wie Rollenspiel im Internet gelebt und ausdiskutiert wird.

Das Spiel hat sich aus einer persönlichen Herausforderung entwickelt, die ich mir gestellt habe. Es ist also nicht in erster Linie ein kommerzielles Projekt (und deshalb als PDF kostenlos zugänglich). Ich verstehe es lieber als ein Geschenk zum Trost für zum etwas verspäteten aber baldigen deluxe Tunnels & Trolls, dessen Veröffentlichung beim Mantikore Verlag geplant ist, und mein Beitrag zu der Tunnels & Trolls Fan-Kultur. Die aktuelle Version ist für DIN A5 optimiert. Einfach in der Seitenleiste oben anklicken. Im Moment sind es 328 Seiten, bzw. die Hälfte als DIN A4 ausgedruckt.

 

Mehr Informationen gibt es  direkt im Spiel. Das Vorwort nennt die Inspirationen und Ziele, führt ein in die Welt, das Thema Unterweltfahrt. Das erste Kapitel „Von Unterweltfahrern und Grabräubern“ behandelt die Mentalität der Griechen und zieht Verbindungen zum Abenteuergenre, es enthält Erklärungen zur Spielweise für den Spieler. Das dritte Kapitel erläutert dem Spielleiter, wie ein Dungeon oder Megadungeon am besten geleitet werden kann.

Einen Einblick in die Quellen und Inspirationen gibt diese Seite, ein Snapshot aus dem Jahr 2012, in dem bereits die Inspirationen dargelegt sind, die zum heutigen KATABASIS geführt haben und die ich zu einer Sitemap für den Blog ausgebaut habe. Die Spielregeln werden in dieser Serie erläutert.

An dieser Stelle nochmal meinen Dank an Alex SchröderAlea Iactanda Est und alle anderen, die Feedback, Anregungen, Übersetzungen und Hinweise auf Fehler im Text gegeben haben.

Ich wünsche viel Spaß und bin für Anregungen immer dankbar! (per Kommentar oder z. B. an craulabesh bei gmail punkt com.)

 

Craulabesh

 

 

 

2014-07-08 18.20.29

2014-07-08 18.23.19

2014-07-08 18.21.27

Sprich, Freund, und tritt ein!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: