Game of Thrones meets Assassinorum: Execution Force

Heute lief
die siebte Folge der aktuellen, fünften Staffeln von Game of Thrones (GoT). Vorsicht milde Spoiler (hehe). Ich finde die Staffel im Moment sehr gut, ich habe sogar das Gefühl, dass es einen kleinen Paradigmenwechseln gegeben haben könnte. Verifiziert habe ich das noch nicht komplett, die Staffeln habe ich noch nie im Rahmen einer Video-Orgie durchgeschaut.

Aber was dann heute doch aufgefallen ist, das ist die postmoderne Richtung, die latent immer schon in GoT vorhanden war. Gesehen hat man sie meines Erachtens immer sehr gut an den Figuren. GoT war das Herr der Ringe mit geilen Figuren. Das kann Martin, die Konstellationen durchgehen und danach die Handlung stricken. Und wie modern sie waren, der Idealrezipient des 21. Jahrhunderts kann sich plötzlich mit dem entmündigten, saufenden Zwergenprinzen von Haus Lannister identifizieren. Wenn die Sklaven einer Gladiatorenarena vor der Königin präsentiert werden, sagt der Meister, sie haben zum fuck nochmal aufrecht zu stehen und sich zusammenzureißen. Ok, vielleicht fällt fuck wirklich mal bei Shakespeare (hat der da nicht jedes Wort drin?) aber Hofsprache, wie sie uns bisher gezeigt wurde, sah immer anders aus.

Heute aber war der qualitative Sprung sichtbar.

Nun haben wir – in aller Konsequenz – nicht nur postmoderne Persönlichkeiten und Projektionsflächen, sondern auch postmoderne, gesellschaftliche Strukturen und Krisenreaktionen. In das politische Gewirr kommt der spätkapitalistisch-postmoderne Nachkrisenzeit-Geist (oder Nachkrisen-Zeitgeist). Lady Olena, Cersei, alle Intrigen in Kings Landing müssen sich jetzt mit Blockupy, mit Whistleblowern (SPOILER !!!!! Lancel „edwardsnowden“ Lannister *SPOILERWECH*), Anonymous und den 99% auseinandersetzen. Ja sogar unser aller Leibling Daenerys, Mother of Dragons muss sich mit den Kamikaze-Ninjas Sons of the Harpy rumschlagen und wird vom Volk gehasst.

Bei den Sparrows interessanterweise aber auch mit religiösen Untertiteln, interessant, wenn man die aktuelle Islamophobie betrachtet. Aber auch der historische Jesus (auch) in seiner Wahrnehmung als Unruhestifter taugt gut, um den High Sparrow zu verstehen

 

 

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(ebenso wie die römisch-kaiserzeitlichen Kyniker, Epikureer usw.). Kynismus als Wohlstandslehre:* im gesellschaftlichen Wohlstand als Kritikform aufgekommen, thematisiert es ihn ähnlich einer adorno’sche Theorie des richtigen (hier: naiv-glücklichen) Lebens im Falschen. Auch bekannt als „der kurze Weg zur Tugend“ (Apollodorus) sowie als die reine, ideelle Form der Stoa und des Denkens schlechthin. Ursprung des Kosmopolitanismus (und damit Hort erregter, idealistischer Schwärmer?). Entwickelt aus der Lehre Sokrates‘ (die andere Jesus-Figur) und in der direkten Folgezeit die wohl wichtigste Nachfolgelehre. Platonspotter (mittels ordinärer Penis-Sprüche), auf den bei diesem anderen Sokrates-Schüler zwar öfter angespielt wird, der dort jedoch nur ein Mal genannt wird.* Bezeichnend, dass das Christentum als im Kern auch kynische Lehre ebendiesem den Garaus macht. Und ist es nicht bezeichnet, dass Zynismus heute negativ verstanden wird (im Sinne von „menschenverachtend“)? Dargestellt ist der legendenhafte Ur-Kyniker und Sokrates-Schüler Antisthenes. Erfinder der Definition einer Aussage, der Rechtfertigung für epistemologischen Zweifel (Sokratismus), Erkunder der Schranken menschlicher Erkenntnis und Erfinder der Herren-Hängetasche (nein, nicht Indiana Jones). Quelle: Wikipedia. (s.u.)

Und überhaupt macht der Name Sparrow/Spatz Sinn und klingt an (meines Erachtens) sehr wichtige Stellen in der Bibel an (Gott: Bibelebd und ebd. [hebr. Originalversion])

GoT-Szene: Ein Streit zwischen DEN INSTITUTIONEN (Troika, NSA, Mensch, dem Merkel Vertrauen ausgesprochen hat o. Ä.) und der von ebenjenen kriminalisierten, arbeitenden Pöbelkariat-Schicht,** vertreten durch den High Sparrow (Spatz):

„Habt ihr jemals das Feld bestellt, Lady Olenna? Je die Ernte eingeholt? Wurde dies jemals im Hause Tyrell getan? Das Leben in Wohlstand und Macht hat euch auf einem Auge blind gemacht. Ihr seid die Wenigen, wir sind die Vielen.*** Und wenn die Vielen aufhören die Wenigen zu fürchten, …“ (lächelt)

Sehr gut. Die Wiedergeburt des Thronenspiels im Geist des Sozialismus? Vielleicht.

Ansonsten
hab ich auch noch die andere Execution Force genossen, die anderen fanatischen Endzeit-Sektierer, ja von Games Workshop. Assassinorum: Execution Force, dieses Space Hulk Essentials in my Pocket/lite (preislich allerdings ebenbürtig…).

 

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4 Freunde?

Mein Eindruck:

  1. Teuer. Aber mein Bruder war schneller in der Anschaffung.
  2. Geiles Spiel.
  3. Schön casualig. Schön fluffig. Schön zufällig, dadurch geile Geschichten. Englischkenntnisse zur Erforschung des Fluffs nötig. Spoiler: Abbaddon will eine Sonne zerstören, um ein Ritual zu vollenden, das ein Portal zu Terra öffnet. (Gewonnen hat er ja eh schon..) Ach ja, nehmt den Fluff-Culexus oder doch die Fluff-Calliduse?
  4. Ich hoffe, das Brett hat eine gewisse Replayability. Oder es kommen mehr Bretter raus.
  5. Ich glaube das Spiel profitiert von einer schwereren Hausregelvariante:
  • Planende Kommunikation nur zwischen Spielern in 1W Feldern Entfernung möglich. Denn es braucht nur einen Powergamehonk der jedem sagt, was er zu tun hat, um ein kooperative Spiel kaputtzumachen.
  • Leichen müssen auf dem Feld mit einer Mikroplasmagranate desintegriert werden. 1 Aktion? (hehe)
  • evtl.: jeder Ability-Marker kann nach einem Cooldown wieder genutzt werden. Würfe einfach 1W für jeden benutzten Marker. Bei einer 6 kannst du ihn umdrehen. D.h. mehr Omegon. Muhahaha. Die eher ausbalanzierte Version läuft wohl mit 10+ bei 2W.
  • Overwatch-Modus für den Vindicare Assassin.

Ich hoffe (und gehe davon aus), dass in Bälde noch mehr zu dem Thema kommt.

 

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Der heimliche Star. Die anderen sind nur seine Bodyguards. Culexus. Giger-Alien auf psybernetisch gemacht.

 

Zu guter Letzt tendiere ich stark dazu, demnächst auch mehr zu Zenobia zu schreiben (z. B. Characktererschaffung).

_____

* Sowohl nach Alexander als auch dem römischen Aufstieg aufgekommen. Und nach 2000 Jahren Sieg des Kapitalismus immer noch aktuell. Wikipedia:

Primär ist die kynische Tugend als Vermeidung des Übels und Bedürfnislosigkeit zu verstehen. Letztere sichert die innere Freiheit und führt zu einem weiteren Grundsatz des Kynismus: der Orientierung an der Natur. Was natürlich ist, könne weder schlecht sein, noch ein Grund, sich dafür zu schämen. Somit ist für die Kyniker beispielsweise das öffentliche Leben des Diogenes oder die offene Tür von Krates und Hipparchia nicht skandalös, sondern natürlich und normal. Eine Art Vorbild stellten die Tiere dar, da sie einerseits Ansätze zur Kritik an der menschlichen Gesellschaft bieten, andererseits aber auch – so waren die Kyniker überzeugt – eine positive Anleitung zu einem glücklichen und richtigen, naturgemäßen Leben brachten.

Doch auch wenn die Bedürfnislosigkeit die Autarkie sichert, so führt sie zur Negation der althergebrachten Sitten, Normen und Gesetzen, der Kultur, Kunst und Familie, bis hin zur Erregung des öffentlichen Ärgernisses. Dieses muss in Kauf genommen, ja sogar erwartet werden: Durch die Bedürfnislosigkeit wird dem Schicksal aber möglichst wenig Angriffsfläche geboten: wer nichts besitzt, kann auch nicht enttäuscht werden, weil er nichts verlieren kann. Deswegen sind die größten Hindernisse auf dem Weg zum Glück Begierde, Angst (z.B. vor Schicksalsschlägen) und Unwissenheit. Denn nur durch Wissen sei Tugend erlernbar, wenn man auch bereit ist, das Erlernte umzusetzen. Der Kynismus ist in seinen Lehren und seiner Umsetzung also sehr radikal: alle äußerlichen, weltlichen Dinge sollen abgelegt werden, weil sie unglücklich machen und wider die Natur sind.

Und noch ein Schmankerl:

Antisthenes soll zu Platon gesagt haben: „Ich sehe ein Pferd, aber ich sehe keine Pferdheit“, worauf Platon entgegnet haben soll: „Du hast eben nur das Auge, mit dem man ein Pferd sieht, aber das Auge, mit dem man eine Pferdheit erblickt, hast du noch nicht erworben.“

** Wikipedia, Blockupy#Rezeption: Auch der Soziologe Peter Ullrich sah in der behördlichen Reaktion auf Blockupy 2012 ein Beispiel für „eine neue Tendenz repressiven Umgangs mit Protestierenden“, die seit der „Schlacht von Seattle“ und dem G8-Gipfel in Genua 2001 zu beobachten sei.

*** geht auch kleingeschrieben.

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2 Antworten to “Game of Thrones meets Assassinorum: Execution Force”

  1. Von der Überschrift her war ich jetzt doch leicht irritierte. Dachte zuerst an ein Game of Thrones/Assassinorum: Execution Force-Crossover.

    Wobei…

    Intrigen ala GoT sollten bei 40k kein Problem darstellen… Vielleicht will die Frau eines planetaren Gouverneurs diesen loswerden, um ihre inzestöse Brut an die Macht über den Planeten zu bringen. Und dazu ist ihr jedes Mittel recht…

    • Achso nee die Überschrift war das einzige mit dem ich den gestrigen Tag zusammenfassen konnte. Aber eigentlich sind ja die Sparrows bzw. eher die Sons of Harpy schon die Assassinorumforce bei GoT. Ansonsten sehe ich das auch so, GoT würde von der Struktur in 40k/dark heresy reinpassen.

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