Das Setting 270 v. Chr. – Charaktere und Gesellschaft (aktuelle Fassung)

Ich habe mich entschieden Katabasis doch noch mehr vom Ausgangspunkt des Söldners zu sehen und im Regelwerk das Setting etwas mehr in den Vordergrund zu stellen. Die Settingbeschreibung habe ich aktualisiert, einigen dürften Teile bekannt vorkommen. Aber es findet sich jetzt hauptsächlich zusammenhängend in einem Teil.

Der Alltag im Hellenismus

„Der hellenische Traum, wenn man so will, des Bauernjungen mit dem Frühjahrsregen zu gehen, um 20 Jahre später zurückzukehren, als General im purpurnen Umhang und goldenen Helm, hatte eine mächtige Anziehungskraft.“

VOLKER BACH: PHILOS BASILIKOS

Die griechische Gesellschaft ist keine abgehobene Idealgesellschaft. Die Griechen schätzen zwar Gesundheit, Stärke, Schönheit, Leidenschaft, Möglichkeiten, Abenteuer, Gedankengut und Genuss und sie halten sich für das geborene Herrschervolk, aber hier zeigt sich nur ein Ausmaß von Eitelkeit und Stolz, das auch anderen Völkern nicht fremd ist. Im Alltag ist das Leben allerdings mühselig, die meisten Griechen sind arme Bauern mit wenig Perspektiven.

Trotz der Vorreiterrolle der griechischen Philosophie ist doch der typische Grieche eher darauf bedacht, schlau genannt zu werden, anstatt ehrlich. Und in Griechenland floriert nicht nur die Liebe zur Weisheit, sondern auch das Geschäft mit ihr. Ehrlichkeit steht – nicht nur bei ihnen – im Verdacht der Einfältigkeit. Und obwohl die Griechen die Einfältigkeit meiden wollen, sind sie doch sehr abergläubisch. Auch bei den Machthabern sieht es nicht besser aus. Früher, so heißt es, zählten noch Weisheit, Ehre und Pflicht. Mit Alexander wurde all dies beiseitegewischt und es ging nur noch um Ruhm. Doch der währte kurz. Seine Nachfolger herrschen mittlerweile nicht mehr durch große Eroberungen, sondern, wie die neuen Herrscher in den Städten, die Euergeten, indem sie das griechische Volk mit Reichtümern beschenken – böse Zungen würden dies eine kurzsichtige Herrschaft durch Bestechung und Schmeichelei nennen.

Auch im Hellenismus hat es der einfache Griechen nicht unbedingt leicht. Ein Problem ist, dass der hellenische Traum für kaum jemanden wahr wird. Nicht für die Fremden aus aller Welt, die in die neuen Städte strömen und von den neuen Möglichkeiten profitieren wollen, doch nur wenig Geld für griechische Bildung haben, noch für die Mehrheit der Griechen, die eine ländliche Bevölkerung stellen, nicht lesen und schreiben können, Kleinhändler, Handwerker, Fremde, Flüchtlinge, freigelassene Sklaven und alle anderen, die in den neuen weltoffenen Städten ihr Glück suchen, sprich: für den weitaus größten Teil der Bevölkerung. Für sie sind weite Teile der griechischen Kultur eine Kultur der Oberklasse.

Griechenland war schon immer ein armes Land mit wenig Bodenschätzen und einer unwegsamen Landschaft, die die Landwirtschaft erschwerte.

Über 2/3 der knapp 10 Millionen Griechen sind in der Landwirtschaft tätig.

Landbesitz war das ursprüngliche Privileg der griechischen Bürger. In den bewohnbaren Flecken leben die Griechen immer noch traditionell und in ihren recht autonomen Polis-Städten. In den dicht besiedelten Kerngebieten der Griechen sind solche Poleis in Entfernungen von durchschnittlich 11–16 km aufzufinden, kleine Siedlungen 2–3 km voneinander entfernt (näher im Einflussbereich größerer Poleis, weiter im Einflussbereich kleinerer Poleis). Früher waren sie einmal eigene Stadtstaaten, heute haben sie sich zu Bünden zusammengeschlossen oder sind in den großen Königreichen einverleibt.

Die Hälfte der Griechen lebt innerhalb der Stadtmauern, die andere Hälfte außerhalb der Stadtmauern. Im Einflussbereich der Polis, 5–8 km entfernt, befinden sich Bauernhöfe, Landhäuser, kleine Burgen und kleinen Siedlungen. Außerhalb des direkten Einflussbereichs und wenn die Region nicht dicht besiedelt ist, wird das Land hauptsächlich als Weideland verwendet und die Dichte der Siedlungen nimmt stark ab. Kommt man näher zur Polis, finden sich Olivenhaine, gerne auch in unwegsameren Bereichen, und Getreidefelder. In direkter Nähe zu den Poleis wird das Land schließlich für den Gartenbau verwendet, um die Stadt mit Blumen, Früchten und Gemüse zu versorgen.

Gerade bei größeren Poleis, oft handelt es sich dabei auch um koloniale Zentren an Küstenstreifen in ansonsten weniger dicht besiedelten Bereichen, befinden sich mehr oder weniger befestigte Dörfer an den Rändern ihrer Einflussbereiche, mit jeweils eigenen Eindlussbereichen, so dass sich das Territorium der Hauptpolis bis zu 15-20 km entfernt erstrecken kann. Diese Kleinzentren werden komai genannt. In den Kerngebieten der Griechen ware es einst kleine Poleis, die Jahrhunderte zuvor ihre Unabhängigkeit verloren haben. Meist sind sie kreisförmig um die Hauptpolis angeordnet. In ihnen sind Vorräte gelagert, Wachen postiert und von ihnen aus werden die nahen Felder in 2-3 km Entfernung kontrolliert.

Seit Jahrhunderten kämpfen diese griechischen Städte und ihre Bevölkerung mit gesellschaftlichen Problemen. Auf der einen Seite häuft sich das Kapital an, auf der anderen Seite Schulden. Bürger verlieren ihr Land, wenige Großgrundbesitzer setzen sich wirtschaftlich und politisch durch. Zudem haben die Poleis Probleme, mit der immer wieder entstehenden Überbevölkerung umzugehen. Gesellschaftliche Unruhen sind eine Folge, Armut, umherziehende Banden. Traditionell haben die Griechen solche Probleme mit Kolonisation (und Söldnerdienst) gelöst und die derzeitigen Abwerbungen von jungen Griechen in die Ferne ist eine Kolonisation unter anderen Vorzeichen.

Genau diese ärmeren Bürger sind außerdem die Leidtragenden einer wirtschaftlichen Krise, die den derzeitigen, brüchigen Frieden kennzeichnet. Seit dem 4. Jahrhundert kursiert eine Inflation, ausgelöst durch die Säkularisierung der Tempelwirtschaft. Vor allem aber das persische Gold, das Alexander nach Griechenland brachte und mit dem er seine Söldner bezahlten, heizte sie an. Viele Löhne bleiben fast gleich, die Preise der Güter steigen.

Der Frieden bringt zwar auch Wohlstand, doch von ihm profitieren in erster Linie die wohlhabenden Schichten: die reichen Nicht-Bürger in den Städten, welche Fabriken besitzen und Handel treiben, wollen Bürgerrechte und Anerkennung, sie hellenisieren sich. Dazu brauchen sie die Bürgerschaft, die nicht so reich ist, aber Land besitzt und immer mehr in die Städte zieht. Viele von ihnen wiederum können sich das gehobene Stadtleben mit der Zurschaustellung von Prestige nur mithilfe von reichen Metöken-Freunden leisten. Es kommt zum Schulterschluss. Dieser Kreislauf funktioniert in den neuen Städten und Zentren der Welt, in den alten bricht er aber langsam zusammen: sowohl die reichen Unternehmer als auch die adligen Bürgersöhne zieht es in die neuen Städte oder sogar an die Höfe.

Das Leben der Mehrheit der Griechen als Bürger und Bauern findet im ländlichen Umfeld statt und richtet sich nach den Jahreszeiten: ab Frühling wird das Brachland gepflügt, und Heu geerntet, im frühen Sommer wird das Getreide geerntet, meistens Gerste. Im Sommer wird das Gemüse verarbeitet und es werden Wartungsarbeiten erledigt, Frauen weben Stoffe. Später wird Obst geerntet. Die Weinlese findet im Frühherbst statt. Später wird Gemüse gepflanzt, Holz gehackt, Getreide gesäht und alle zwei Jahre findet die Olivenernte statt. Nach einer Winterpause wird der Wein gestutzt. Viele Griechen haben zumindest einen Sklaven. In der Theorie klingt dieses Leben idyllisch. Jedoch kann das Leben eines Haussklaven im Dienste eines wohlhabenden Griechen sehr viel angenehmer sein, als das des verschuldeten Tagelöhners, der seine Familie versorgen muss.

Eine Neuerung im Hellenismus sind die neuen Poleis, die größten unter ihnen mit mehreren hunderttausend Einwohnern. Wie lebt es sich als Einwohner in den neuen 100.000er-Städte?

In den Städten schlafen die ärmsten Einwohner im Freien und können schnell Opfer von betrunkenen Schlägern werden. Sie sind Tagelöhner und Bettler (thetes) und versammeln sich morgens auf der Agora, um Arbeit für den Tag zu finden.

Die meisten Stadteinwohner gerade in den größten der neuen Städte leben jedoch in Synoikia, in den dichtgedrängten Mietwohnungen in graffittibeschmierten Wohnblöcken ohne fließendes Wasser, die von aus dem Haus geworfenen Abfällen umringt sind. In den ungünstigeren Fällen leben sie im Hafenviertel, in den Gemeinschaftsräumen einer der vielen beliebten und unregulierbaren Gaststätten mit zweifelhaftem Ruf. Diese Etablissements ähneln denen, die sich an den Wegstrecken zu den panhellenischen Spielen und entlang der wichtigsten Handelswege befinden. Ihre Betreiber stehen in einem schlechtem Ruf, fast so schlecht wie der ihrer betrunkenen Gäste. In den Städten sind diese Kapeleion genannten Gaststätten im Erdgeschoss einiger Synoikia eingerichtet. Gegenüber, in den dichtgedrängten oberen Stockwerken, die nur mit einer Leiter zu erreichen sind, sind die Wohnbereiche allerdings auch nicht sehr beliebt.

Problematisch ist, wenn die Häuser nicht regelmäßig nachgebessert werden und sich Risse bilden. Die Folge sind Zugluft, eindringendes Wasser und Schimmelbildung. All dies ist natürlich schon für die Gesundheit eine Gefahr. Dazu kommt, dass die Gebäude selbst nicht ohne Risiko sind. Zum einen sind die Grundmauern oft nicht besonders dick und in schnell wachsenden Städten werden auf den Dächern oft noch weitere Holzverschläge angebaut. Die luftgetrockneten Ziegelsteine sind manchmal von so schlechter Qualität, dass sie sich bei Hochwasser schnell vollsaugen und einbrechen. Gebrannte Ziegelsteine, die für dieses dieses Problem nicht so anfällig sind, sind dahingegen oftmals zu teuer. Zum anderen wird Holz für Verstrebungen und Dächer verwendet und so ist die Brandgefahr nicht zu unterschätzen, auch wenn viele Ärmere Stadtbewohner aufgrund der beengten Verhältnisse ihr Essen auf der Straße an Imbiss-Ständen einnehmen.

In der aktuellen Krise verschuldet sich der einfache Bürger immer mehr und die Probleme der Verschuldung nehmen immer größere Ausmaße an. Staatenbünde versichern sich mittlerweile, dass keine Umverteilung der Ländereien stattfinden, Schulden nicht erlassen und Sklaven nicht freigelassen werden. Gläubiger verleihen ihr Geld an Städte nur gegen Hypotheken auf den Besitz von Besuchern der Stadt (Metöken). Die Angst vor sozialen Aufständen geht um.

Lange Zeit galten 120 Drachmen pro Jahr als Existenzminimum, heute liegt es bei 150 Drachmen und mehr. Während die jährliche Miete im frühen 4. Jahrhundert 15 Drachmen betrug, liegt sie heute oft ein um ein Vielfaches höher. Mittlerweile kostet ein Medimnos Weizen nicht mehr 5 Drachmen wie im vierten Jahrhundert, sondern 7 Drachmen. Die ärmeren Griechen ziehen das schwere, aber nur halb so teure Gestenbrot vor, das sind bei 7 1/2 Medimnos im Jahr 26 Drachmen. Ein Metretes Olivenöl kostete ursprünglich 12 Drachmen, heute ist er doppelt so teuer. Wein kostete 4 Drachmen pro Metretes, jetzt kostet er 10 Metretes. Gerade diese beiden Warenarten sind aber für die Bevölkerung sehr wichtig. Wein wird verdünnt getrunken als das Grundgetränk schlechthin. Am Öl lässt sich überhaupt nicht sparen, er wird nicht nur zum Reinigen des Körpers verwendet und in Öllampen, sondern er ist fast die einzige Quelle für Fett. Für Gemüse, Öl und Salz, also alle Lebensmittel bis auf Getreide, sind noch einmal bis zu 70 Drachmen fällig. 15 weitere Drachmen für Kleidung – die meisten Griechen haben 2 Kleidungssets, aus kultischen Gründen ein helles und ein dunkles, die sie gut hüten. Gerade mit Mustern verarbeitete Kleidung gilt als Wertgegenstand, der z. B. in Bädern oder in größeren Städten Nachts auf der Straße von Räubern auch gelegentlich gestohlen wird. 15 Drachmen sind für Feuerholz und sonstige Ausgaben veranschlagt. Für eine Frau und 2 Kinder wäre der dreifache Preis nötig, über eine Drachme Lohn pro Tag, wobei die Frauen aber Textilien herstellen, die dann wieder verkauft werden können.

Lange noch stiegen auch die Löhne, doch mit der Öffnung der Welt durch Alexanders Eroberungen entstand ein ungezügelter Wettbewerb, in dessen Folge die Löhne sanken. Ein ausgebildeter Arbeiter verdient zwar etwa 2 Drachmen pro Tag, er ist aber nicht jeden Tag beschäftigt und kann auch nicht immer jeden Tag Arbeit finden. In der Praxis sind festangestellte Arbeiter oft mit einem Drittel des Lohns zufrieden, 4 Obolen pro Tag, das sind 240 Drachmen pro Jahr. Auch beim Einsatz von Sklaven liegt die Herausforderung darin, ihre Kosten zu decken, das heißt, eine Arbeit zu finden, die sie das ganze Jahr über durchführen können. Ungelernte Arbeiter und Sklaven verdienen die Hälfte und rutschen damit unter das soziale Existenzminimum.

Lediglich bei Soldaten und Söldnern sieht die Entwicklung anders aus. Noch im vierten Jahrhundert erhielt ein Soldat 4–6 Obolen pro Tag (240–360 Drachmen), je nach Größe der Polis. Heute sind es bis zu 6–8 Obolen (360–480 Drachmen). Davon müssen sie sich ihr Mahlzeiten kaufen, also etwa 2 Obolen pro Tag. Aber auch diese Entwicklung ist keine Ausnahme vom allgemeinen Trend. Ein wichtiger Teil ihres Verdienstes waren immer schon Beute und Zusatzprämien. In Zeiten des Friedens jedoch nehmen die Möglichkeiten für Soldaten und Söldner ab. Große Schlachten und entsprechende große Beute gehören scheinbar dem Chaos der Vergangenheit an, heute tragen die großen Häuser eher Grenzkonflikte miteinander aus und reiben sich auf bürgerkriegsähnlichen Zuständen an Konfliktherden in ihren Reichen auf. Sogar der mobile und vielseitige Hoplit erlebt eine kleine Renaissance gegenüber dem Phalangiten der Riesenschlachten der vergangenen Jahrzehnte. Die Wirtschaft mit Soldaten funktioniert anders, ein Teil ihres Lohns wird am Ende ihrer Dienstzeit als Landbesitz in den weiten Regionen der Reiche ausgezahlt.

psilos

Ich überlege den Bogenschützen (und Schleuderer) – anders als im Bild oben, sind es meist arme Hirten, die auch weniger verdienen als schwere Infanterie – aus T&T7 auch als Charaktertyp zu verwenden. Der Grund ist, dass man für beide Fernwaffen sehr viel Erfahrung braucht, um sie einzusetzen. Das soll dann wohl die Realismus-Seite am phantastischen Realismus bei KATABASIS bedienen.

Der obige Teil findet sich im Anhang von KATABASIS. In der Einleitung gehts dann mehr zur Sache, was die Charaktere und den Söldner/Soldaten angeht und spoilert ein wenig von der Spielweise in der Unterwelt:

Die Geschichte spielt im Jahre 270 v. Chr. zur Zeit der drei griechisch-makedonischen Imperien, die die bekannte Welt unter sich aufteilen, nach Jahrzehnten des Krieges und nach Schlachten, wie sie die Welt noch nie zuvor gesehen hat.

Dieses Zeitalter hat Armut in der Welt hinterlassen und ganze Armeen an griechisch Söldnern. Doch nun befinden sich die Reiche in einer Konsolidierungsphase. Die großen Beutestücke wurden bereits aufgeteilt und die meisten Söldner sind sich zu schade, um sich in endlosen Grenzkonflikten gegen eine aufständische Bevölkerung in den Provinzen dahinraffen zu lassen. Doch in den neuen Leistungsgesellschaften ist Bildung der Schlüssel zum Aufstieg. Die meisten Söldner können jedoch wie auch die meisten Griechen überhaupt – die Gesellschaften sind immer noch zum größten Teil landwirtschaftlich geprägt – nicht einmal lesen und schreiben. Viele haben nie ein anderes Handwerk als das Töten für (Kiegs-)Beute gelernt. Egal wie legendär die Schlachten waren, die sie geschlagen haben, im Zivilleben sind viele von ihnen aufs Betteln angewiesen und es erwartet sie Spott. Einige sind Zeit ihres Lebens in Söldnertrossen umhergezogen und nur nominell Bürger einer Polis. Eine richtige Heimat, in der sie willkommen wären, haben viele nicht. Die Mächtigen wollen sie für ihre eigenen Zwecke einspannen und die einfachen Bürger trauen ihnen nicht. Oft ist das Misstrauen gerechtfertigt, immerhin werden viele Söldner zu Räubern – doch das macht die Situation nicht einfacher.

Die Charaktere spielen genau solche Söldner, jedoch Söldner, denen durch alte Bekannte Gerüchte zu Ohren gekommen sind: von reichen Grabbeigaben ist die Rede und hinter vorgehaltener Hand wird vom Fährgeld der Toten geflüstert. Schließlich kommt der Tag, an dem sich die Charaktere vor einem scheinbar gewöhnlichen Höhleneingang wiederfinden, vor alten Tempelruinen oder Ähnlichem… Etwas das gar nicht so wirkt, wie die zweite Chance, die besondere Gelegenheit, für die sie Tyche selbst auserwählt haben soll.

Wie sich früh herausstellt, sind die Charaktere nicht die einzigen Menschen in der Unterwelt. Auch andere Gruppen haben ihre verworrenen Pläne. Das Gold unter der Erde zieht unterschiedliche Menschen an, manche sind von Gier getrieben, andere suchen die Einsamkeit des Eremitentums, wieder andere sehen sich als Wächter eines düsteren Heiligtums, einige sind nur schwer zu durchschauen und auf Befehl mächtiger Königreiche da, andere suchen mächtige Zauber, Kontakt mit längst vergessenen, gefährlichen Wesenheiten und Zugang zu neuen Daseinsweisen.

Die Unterwelt beherbergt nicht nur die scheinbar herrenlosen Gräber mit ihren Grabbeigaben und den Fährgeldern der Toten. Sie ist darüberhinaus ein Ort der Magie. Und sie ist bewohnt.

Gefangene, Diener Hades und vor allem die Schatten bewohnen die düstere Landstriche und quälenden Labyrinthe. Viele von ihnen sind von einem Neid und Hass auf Menschen getrieben. Andere befinden sich untereinander im Krieg: es sind die Herren einstiger, mächtigen Königreiche: Mykene, Theben, Pylos, Calydon, das minyische Königreich, Knossos und Ilion. In der Welt der Menschen sind sie schon lange untergegangen und vergessen, in der Unterwelt sind sie verdammt, ihre Fehden in den verlassenen Landstrichen der Schattenwelt bis in Ewigkeit fortzuführen um uralte Vergehen abzubüßen. Wer weiß, vielleicht würden sie sogar die Ruhestörung durch einen Menschen in Kauf nehmen, wenn sie ihre uralten Feinde schwächen könnten? Dazu kommen längst vergessene Götter im Exil und ihre Diener, die seit jeher im Verborgenen abwarten. So ist es doch genauer, eher von einem Grenzbereich der Unterwelt zu reden, von einem Niemandsland am Rande der Unterwelt.

3 Antworten to “Das Setting 270 v. Chr. – Charaktere und Gesellschaft (aktuelle Fassung)”

  1. Schöner Text.
    Darf ich dich mal nach einer Liste der hauptsächlichen Quellen fragen, die du für deine Recherchen verwendest? Gerne auch per Mail.

    • Danke!
      Also gerade für den Teil, den ich hier gepostet habe, habe ich mich gestützt auf:

      John Bintliff: „Going to Market in Antiquity.” &
      W. W. Tarn: „The social question in the third century.“

      Ich habe die hier als PDFs vorliegen und könnte sie dir zuschicken.

    • Wenn’s keine Umstände macht, sehr gern. :)

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