Die Griechen, die Schweizer der Antike

Hier ein wunderbarer Artikel von Frank Westenfelder: Die Griechen, die Schweizer der Antike (hier ein Inhaltsverzeichnis der Artikel auf der Webseite). Es geht zwar um das 4. Jahrhundert v. Chr., aber grundsätzlich wird auch vieles für das 3. Jahrhundert vor Christus gelten. Vor allem auch die Armut der griechischen Bevölkerung und die Not des Söldners, der mit seiner Famile im Söldnertross umherzog und trotz mangelhafter Ausrüstung hervorragend kämpfen konnte, aber außerhalb des Söldnerlebens aufs Betteln angewiesen wäre. Ein genauerer Blick auf das Leben des Söldners in der Antike, der einen hervorragenden Archetypen und Ausgangspunkt für das Abenteurergenre und den Charakter in Katabasis bietet.

Es gab also um 350 am Mittelmeer keine Großmacht, die sich nicht wesentlich auf griechische Söldner stützte. Wahrscheinlich waren konstant Zehntausende unterwegs und man fragt sich nach den Ursachen und der genaueren Organisation des Geschäfts. Die Ursachen kann man sicher unter den folgenden Stichworten zusammenfassen: militärische Erfahrung breiter Schichten, Bevölkerungsüberschuss, politische Zersplitterung und nicht zuletzt die geradezu sprichwörtliche Armut Griechenlands.

Gerade der letzte Punkt mag dem modernen Betrachter angesichts der prachtvollen Bauwerke etwas seltsam erscheinen. Es gab sicher einige sehr reiche Bürger aber die große Masse besaß wenig und war zudem dauernd davon bedroht in die völlige Armut abzurutschen. In allen Städten gab es eine starke Unterschicht, die von Almosen lebte; das Land war karg und konnte die überzähligen Söhne der Bauern nicht ernähren. Das Problem war nicht neu, und die Griechen waren ihm lange durch die Gründung von Kolonien begegnet. Aber dies wurde zunehmend schwieriger, als die Mittelmeerküste unter den Großmächten verteilt wurde. Trotzdem war der Solddienst sicher eine Art Fortsetzung der Kolonisation. Denn viele Söldner blieben in Persien, Ägypten oder Sizilien und waren froh, wenn sie für ihre Dienste Land und Bürgerrechte erhielten.

[…]

Eine Stufe darunter befanden sich die Feldherren, die als selbständige Condottiere nach Möglichkeit versuchten zumindest einen Teil ihrer bewährten Truppen zusammen zu halten. Ging also in Griechenland ein Krieg zu Ende hatten sie ein gesteigertes Interesse daran mit ihrer ganzen Einheit in den Dienst eines fremden Fürsten zu treten. […]

Aber auch die Söldner selbst hatten bei Kriegsende kein großes Interesse daran auseinander zu gehen. Sicher konnten einige zu ihren Familien heimkehren, oder sich mit ihrer Beute zur Ruhe setzen; die große Masse war aber sicher aufs betteln angewiesen und dies ließ sich als mächtige Gruppe am besten organisieren. Wahrscheinlich stellten viele Städte Lebensmittel und zahlten auch, damit entlassene Truppenteile möglichst schnell weiterzogen. Kleinere Banden schlugen sich als Straßenräuber oder Piraten durch bis sich wieder eine Gelegenheit zum Kriegsdienst bot. Auch hier drängen sich Parallelen zu den gartenden Landsknechten um 1500 auf. Viele blieben in Hafenstädten hängen – Korinth war sehr beliebt – verkauften ihre Beutestücke und versetzten dann ihre Waffen und warteten, dass ein berühmter Offizier im Namen des Großkönigs oder des Pharaos warb. Aber auch abgelegene Gegenden waren beliebt, wichtig war nur, dass Schiffe ablegen konnten. Im letzten Drittel des Jahrhunderts entwickelte sich Kap Tainaron im Süden des Peloponnes zu einem äußerst wichtigen Anlaufpunkt. Jeder, der Truppen benötigte, hatte hier schnell ein paar tausend Söldner beisammen. Persien, Ägypten, Sizilien oder Karthago lagen sozusagen vor der Haustür.

Unter diesen Umständen war es auch nicht notwendig immer Sold zu bezahlen. Die Söldner erhielten sicher am Anfang ein Handgeld, mehr aber noch große Versprechungen. Letzten Endes musste dann die Beute den Krieg finanzieren, und viele Söldner waren wahrscheinlich froh, wenn sie wieder in offiziellem Auftrag rauben durften. Diese Praxis beschränkte sich aber nicht auf einige finstere Condottiere; fast alle spartanischen, thebanischen oder athenischen Feldherren mussten ihre Truppen immer wieder durch Solddienste oder Raub versorgen. Gleichzeitig verschwanden die großen Flotten und alle Parteien widmeten sich zunehmend der Piraterie. Der Krieg musste einfach den Krieg ernähren.

Sehr empfehlenswert der Artikel!

EDIT: und dieser Teil behandelt den Untergang Roms. Die These: Er wurde durch die Gier der Großgrundbesitzer, durch die sich eine Bürgerarmee zu einer Berufsarmee, später zu einer Söldnerarmee entwickelte und schließlich Warlords in die Grenzen eingelassen wurden um sie zu verteidigen, während sie sich aus den Regionen bedienten. Quasi Privatisierung. Kennt man ja.

4 Antworten to “Die Griechen, die Schweizer der Antike”

  1. Mr. W. Pink Says:

    Moinsen ! Hat jetzt nix mit Griechen oder Schweizern zu tun, ich hab’s halt nicht raus, wie man hier einen themenungebundenen Kommentar verfasst… Ich wollte sagen – der Babelturm steht ja noch, cool!

    • Ja der Turm zu Babel steht, ich glaube der wird aber nicht soooo oft angeklickt, vielleicht wird der Tag des jüngsten Gerichts kommen, wo ich meinen Kelch des rechtschaffenen Zorn über ihn ergießen werde, ihn stürze und meine Follower sprachverwirrt in alle Himmelsrichtungen auseinanderstieben werden.

  2. Schweizer in Mittelalter/Renaissance hat sich mir beim Lesen der Überschrift nicht erschlossen und ich gleich so: „Hä? Neutral???“
    Ich schiebe das auf’s Wetter. ;)

  3. Guter Artikel, und überhaupt eine interessante Seite, auf der sich das Stöbern zu Recherchezwecken lohnt.

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