Zak über D&D: Spaß sollte keine Arbeit sein

Es gibt einige Artikel, die sind so gut, dass es sich lohnt, sie einfach wiederzugeben (und ansonsten die Klappe zu halten). Hier einer von Zak vor 4 Jahren. Es geht um Spielerverbindlichkeit, aber nebenbei erklärt Zak D&D und den Unterschied zu einigen anderen Spielen und Spielweisen. Ich habe das mit einigen Artikeln hauptsächlich zu D&D5e garniert (aufgrund dieses kürzlichen Themenschwerpunkts hier auf dem Blog), die mir in letzter Zeit aufgefallen sind und thematisch passen. Aber es gibt auch einen Zusammenhang zu einem aktuellen Artikel von Norbert auf der Analogkonsole.

Zak beginnt seinen Artikel und stellt fest, dass es viele Indy-Games gibt, die er aber nicht spielen wird: weil seine sie nichts für seine Spieler sind. Er gibt einen Beispiel für einen fiktiven Dialog, wie das Spiel mit einer Mitspielerin laufen würde:

 

Zak: So, nun musst du deinen Charakter in 50 Worten beschreiben.

Mandy: Scheiss drauf.

 

 

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Samstags, D&D bei Zak.

 

Zak stellt dann einige Dinge fest:

1. eine solche Anforderung unterscheidet sich von einem Spiel, dessen Anforderungen zusammenfassbar sind als „wähle eine Rasse, wähle eine Klasse“

2. für manche klingt eine Charakterbeschreibung in 50 Wörtern nach Freiheit, für manche nach Arbeit.

3. um spontan kreativ zu sein ist ein Überzeugt-Sein von den eigenen kreativen Fähigkeiten nötig oder eine gewisse Unbefangenheit

4. konsequenterweise braucht man zusätzlich zur Unbefangenheit noch den Glauben, dass das Spiel es auch wert ist, wenn man an die kreativen Fähigkeiten nicht glaubt. In anderen Worten, dass es auch dann noch gut wird.

5. Es stimmt also nicht, dass die Vorstellungskraft die einzige Grenze beim Rollenspiel ist. Eine andere große Grenze ist die Energie, die man am Abend mitbringt und die Überzeugung, dass der Abend gut wird, auch wenn er nur von der Kreativität der Beteiligten abhängt.

6. Zak schätzt das 90% der Spieler mit solchen Überzeugungen Spielleiter sind oder sein könnten, Menschen, die die Spiele leiten, die Bücher und die Blogs schreiben.

7. Aber dann gibt es diejenigen, die Spieler sind, sein und bleiben wollen. Mit ihnen kann man D&D spielen.

8. Aber kein Spiel funktioniert ohne Kreativität. Bei der Kreativität, die von den Beteiligten gefragt ist, kann man die Spanne aufmachen vom relativ unkreativen Super-Mario-Spieler bis hin zum Improvisationsschauspieler. Zak ordnet D&D in der Mitte an, alte Versionen eher mehr in Richtung Impro-Theater, neue mehr in Richtung Super-Mario. (Und die neueste wird wohl gleich mehrere Spielstile anbieten und als freies Dokument D&D-Spieler anderer Editionen versammeln können, sozusagen als das zweitliebste D&D jedes D&D-Spielers. Eine andere Hoffnung ist, dass es zugleich einen Maßstab aus alten Zeiten anlegt.)

9. Beide Seiten können Spaß machen.

10. Wenn der Spieler sich nicht sicher ist, ob ihm die Spielweise Spaß macht, dann ist die Mario-Seite für ihn attraktiver.

11. Wie ist es in der Mitte? Wie auf einer gepflegten Unterhaltung beim Dinner, zum Beispiel auf einer Hochzeit. Die Unterhaltung plätschert dahin, jeder kann zuhören, aber niemand muss mitreden. Es gibt kaum peinliche Pausen. Manchmal wird man jedoch zu kleineren Hilfeleistungen aufgefordert: „Kannst du mir die Erbsen reichen?“. Und wenn du es unbedingt willst, kannst du sogar Oliven auf deine Pfannkuchen packen, niemand hindert dich dran, das Gespräch geht weiter. Niemand hindert dich daran, am Gespräch teilzunehmen und eigene Themen einzubringen. „Ich halte Sigmund Freud für großen Mist.“ „Ich denke wir sollten das Monster fesseln, bevor ihr es an die Berggnome verkaufen.“

12. Es ist sogar normal, dass viele erst schüchtern sind und etwas Zeit brauchen, um aus sich herauszukommen, wenn sie einen Überblick haben, wie die Dinge laufen. Sie mögen passiv wirken und sie sind es manchmal, aber sie sind es selten für immer.

13. Man kann nicht sagen, dass passive Spieler scheisse sind. Bei einem Rollenspiel ändert sich ständig die Aufmerksamkeit der Spieler und das Verhältnis von passiv und aktiv angesichts von außerspielerischen Aspekten, Snacks usw.

14. In D&D kann man sich jederzeit in die Handlung aktiv hineinstürzen oder man kann sich zurücklehnen und nur würfeln, wenn es wichtig ist und sich von den anderen unterhalten lassen, wie bei einem Film in dem man die Wahl hat, wie es weiter geht.

15. D&D unterstützt viele Spielstile zugleich. Bei einem guten Spiel spielt jeder auf seine Lieblingsweise, auch wenn es 8 verschiedenen Arten gibt, es zu spielen. Die Spieler brauchen am Anfang noch nicht einmal die Regeln kennen. Bis sie die Grundlagen kennen ,kann man es spielen a la: „Sag mir was du machen willst und ich sage dir, was du würfeln musst.“

16. Das Spiel wächst im gleichen Maße, wie das Wissen, das Vertrauen und die Überzeugung der Spieler, dass das Spiel Spaß macht, wächst.

17. In vielen anderen Spielen ist der Preis für die Macht der Spieler über die Fiktion, die Verantwortung, den Abend interessant zu gestalten.

18. Bei all diesen Dingen geht es um die Verbindlichkeit, die der Spieler eingeht. Um das Gefühl, dass der geforderte Aufwand in einem Verhältnis zum Spaß steht. Es geht nicht um die Frage, ob ein Spieler einen Zauberer spielen will, sondern ob er es auch bei dem damit verbundenen Aufwand möchte. Die Spielleitertypen auf der Welt sagen alle: „Ich will einen Zauberer spielen, egal wie hoch der Aufwand.“ Die Spielertypen haben ihre Grenzen. Für sie ist es peinlich, kreativen Aufwand zu betreiben und dabei zu scheitern. („Ha ha Noob!“) Für sie sind Rollenspiele furchteinflößend, so wie öffentlich zu reden. Es ist etwas anderes als zu Hause ein Videospiel zu spielen. Und es ist wichtig, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie nicht wirklich scheitern können.

19. Bei D&D muss der Spielleiter aktiv dabei sein, aber nicht die Spieler und sie können trotzdem einen coolen Abend haben. Bei vielen anderen Spielen funktioniert das nicht, da brauchst du gleich mehrere Spielleitertypen wie in einem Orchester, bei dem man auch mehrere Musiker braucht.

20. Aufgrund dieser flexiblen Anforderungen an die Spieler, ist D&D für Anfänger interessant (und D&D5 interessanter weil einfacher als Pathfinder).

Und hier geht es zum 2. Teil, einem sehr verwandten Artikel von Zak.

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6 Antworten to “Zak über D&D: Spaß sollte keine Arbeit sein”

  1. ja ist aber auch ne Einschränkung. Ich mag die auch lieber auf deutsch, Rollenspiel auch im Dungeon hat dann doch viel mit Sprache und Sprachgefühl zu tun ;) *räusper* ja, die sollen das mal rausbringen hier. Auch schön mit kostenlosem Grundregelwerk-PDF.

  2. Jau! Es lohnt sich für jeden, sich ernsthaft mit dem Inhalt von Zaks Blog zu beschäftigen. So viele Ideen und interessante Überlegungen gibt es selten – schrob ich schon mal, glaub ich.
    Achso, und betreffs 5e und Pathfinder: Ja, noch. PHB kommt dann ja irgendwann raus… ;)

    • Hi Rorschachhamster. So wie ich das verstanden habe, ist das mit dem PDF ist egal, weil die von 5E sich entschieden haben, gleich die gesamte Menge an Spielstilen von D&D zu unterstützen und gerade auch die sehr einfachen Spielweisen. Die Regeln der Basic Rules werden immer gültig sein, auch mit mehrere PHBs nebenbei. Die PHBs sind dann nur etwas für die Spieler, die sich außerhalb des Rollenspiels am Tisch mit ihrern Charakterpfaden beschäftigen möchten oder besonders ausdifferenzieren wollen. Anders als früher, soll das, wie ich das verstanden habe, keine Pflicht sein und auch nicht zu spieltechnisch „überlegenen“ Charakteren führen. Das sind dann z. B. Optionen anstatt der Ability Score Improvements.

    • Ja, ich denke auch, das die Basis gut aussieht, einen Spielstil zu fördern der eher den Sensibilitäten (Äh… ist das überhaupt ein deutsches Wort oder ein Anglizismus? *achselzuck*) von alten Säcken wie mir entgegenkommt. Was mehr ist als ich erwartet habe, ehrlich gesagt.

    • Dito. Ich werde mir dann auch definitiv ne 5E-Gruppe zusammensuchen. Und ich weiß schon jetzt, dass es dann im Dungeon einen „Level der althergebrachten Gesetze“ geben wird, wo die Spielerwerte als T&T-Regeln interpretiert werden ;)

    • Naja, das höchsens Online, solange es die Regelwerke nicht auf Deutsch gibt – da bin ich in meiner festen Heimgruppe eingeschränkt. :)

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