NACHTRAG: zu den Grenzen des allgemeinen Rollenspielverständnisses

Da ich sehe, dass der letzte Artikel auf Interesse stößt (und seltsamerweise wie kein anderer Artikel dazu geführt hat, dass T&T Katabasis angeklickt wurde ;) und vor allem, weil dann doch noch eine Frage aufgekommen ist, folgt ein kleiner Nachtrag. Worauf wollte ich damit hinaus?

Nach meiner Beschreibung eines Spiels und Spielstiles würde sich nun natürlicherweise die Frage stellen, wie sollte es im Rahmen der Unterscheidung Story vs Regeln eingeordnet werden? Ist das jetzt mehr Role oder mehr Roll, mehr Story oder mehr irgendwas Anderes (womit meist etwas nicht so Gutes gemeint ist).

Die fiktive Figur,  ich nenne sie mal den Story-Rule-Ideologen, würde nun antworten: „ist doch ganz klar, dazwischen!“

Das Problem ist, dass das natürlich ne ziemlich unzulängliche Antwort ist. Weil dazwischen ja alles Mögliche bedeuten kann, zum Beispiel jede Spielweise und jedes Spielsystem mit einem Touch Player Empowerment oder einer intensiven oder speziellen thematischen Auslegung oder einfach nur Railroading. Vor allem kann es sogar das Gegenteil der hier aufgeführten Spielweise bezeichnen. „Ich spiel was dazwischen“, bedeutet also kaum was, eigentlich nur, dass man die Extremformen nicht spielt, aber wer tut das schon? Sogar unser Story-Rule-Ideologe sagt, er spielt etwas dazwischen, „aber mehr in Richtung erzählerisch und Story“. Das macht es leider nicht besser. Dann soll er mir erst mal darlegen ob das da oben mehr Story ist oder doch mehr Regeln.

Der Punkt ist, es reicht, einfach zu sagen, ob man lieber mit vielen oder wenigen Regeln spielt. Mit Story hat das noch nix zu tun. Und man darf auch wenig Regeln mögen, wirklich. Das muss jetzt nicht gerechtfertigt werden mit „weil ich mich dann mehr auf die Story konzentrieren kann“. Man kann auch sagen, ich spiel mit Regeln, aber die nur stimmungsvoll. Sozusagen das Regelwerk als Horoskop. Was mir nicht gefällt, das ignoriere ich. Kann man auch machen. Das ist aber auch nicht gleich mehr Story. Muss auch nicht schlimm sein, wobei ich mich dann schon eher frage, warum überhaupt würfeln (und nicht etwa sowas). Die Regeln sind ja auch zu einem guten Teil da, um vor zu narrativistischen Märchenonkeln zu schützen ;) Nee im Ernst, es wär schon schön, wenn man vorher weiß ob es jetzt doch n Spiel ist oder nur n Vortrag vom Spielleiter. Irgendwann kommt es immer raus und kann dann halt enttäuschend sein. Dass der Spielleiter jetzt im sgn. Illusionismus darüber täuscht ist mir persönlich als hardcore-oldschool-player  dann doch zu viel „Spielleiter-Empowerment“.

Anders formuliert. Ich finde es schade, dass viele Rollenspieler ein Rollenspiel-Verständnis besitzen (und schlimmer noch wenn sie sich damit vielleicht sogar noch zufrieden geben), bei dem sie die meisten Spielweisen (inklusive eigener) mit etwas Nichtssagenden wie „etwas dazwischen“ wiedergeben können. Ich schätze die Unterscheidung Story vs. Regeln werden wir nicht mehr los. Schade eigentlich. Aber wenigstens kann ich in persönlichen Diskussionen jetzt immer auf den Artikel hier verweisen *seufz*.

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Eine Antwort to “NACHTRAG: zu den Grenzen des allgemeinen Rollenspielverständnisses”

  1. Grundsätzlich: Yay!
    Die Ignoranz gegenüber der Unterscheidung in Story und Regeln ist mMn was wünschenswertes… Man kann Sachen auch tot-intellektualisieren. ;)
    In dem Sinne: Hauptsache, es rollen Köpfe!
    Und ich mein‘ natürlich im Spiel… ^_^

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