Die femme fatale und der misslungene Abend

Heute war ein Fall für die besagten 11 Spielerregeln. Der Abend ist eskaliert, das Spiel wurde abgebrochen. Ein richtig schlimm gelaufener Abend unter erwachsenen Menschen, bei dem sich niemand mit Ruhm bekleckerte. Und ich mitten im Mittelpunkt. Das besondere und tragische ist: Sie, die Anstoß an mir genommen hat, war eine hübsche, junge Frau, intelligent und wir haben uns vor und nach der Sitzung immer gut unterhalten (und blieben t.w. länger als die anderen). Klingt fast wie ein Romananfang. Ich will lieber Fafhrd lesen.

Das Spiel
Es war Shadowrun. Wir kannten uns alle kaum. Das Ganze war als zweiwöchiges Spiel gedacht mit etwa 3-4 Sitzungen. Es war die dritte Sitzung, drei Spieler, ein Spielleiter. Ein Spieler war krank, einer sollte nachkommen. Von den Spielercharakteren wussten wir alle nicht viel. Ich hatte irgendwann den Vorschlag gemacht, auf Spielerebene uns und die Charaktere mal näher kennenzulerne, was angesichts der dann doch zwischen der Dame und mir dagewesenen, noch zu glättenden Wellen, auf die ich noch kommen werde, vielleicht nötig gewesen wäre. Aber der Konsens war dann, dass diese Unsicherheiten bei Shadowrun dazugehören. (Ich hatte z.B. eine Regelfrage, ob ein Magiewert 4 jetzt eigentlich normal sei oder nicht, die von ihr negiert wurde mit: solche Fragen darf ich nicht stellen.…)

Die Femme fatale
Es hat sich nämlich bereits zuvor herausgestellt, dass es zwischen uns „knisterte“, wenn nicht auf die herkömmliche Art.

(Andererseits hat sie in heiterer Atmosphäre tatsächlich ihre Brüste thematisiert; ich meinte amüsiert, jetzt hätte sie uns für den ganzen Abend geprimed (sie war Linguistin, wir waren drei weitere Jungs am Tisch). Aber es war alles angenehm und gesittet und wurde schnell in eine Shadaim-Coupling-Anspielung und gesellige Heiterkeit überführt.)

Es war aber auch ein wenig paradox. Denn ich bemerkte auch schon von der ersten Sitzung an, dass sie stark auf mich reagierte in bestimmten Situationen, wenn ich etwas tat, das vielleicht verunsichernd wirken konnte.

(Tatsächlich ist dies eine Konstante die ich in meinem Leben öfter erlebe: meine Grundschullehrerin war von meinem „Grinsen“ als Kind irritiert und bei der Grundausbildung bei der Bundeswehr gelang es mir auch nicht, dasselbige ganz abzustellen. Manche Leute fühlen sich verunsichert durch mich. strange.)

Bereits nach der zweiten Sitzung sprach der Spielleiter mich darauf an und schrieb auf meinen Vorschlag auch ihr, um zu schauen ob alles in Ordnung sei. Die dritte Sitzung war dann das besagte Ereignis.

Die Vorzeichen
Z. B. die Frage an den Auftraggeber, der uns alle einzeln kontaktiert und zusammengeführt hat, ob wir als Gruppe agieren sollen, oder ob der Schnellste die Belohnung bekäme, hat die Dame doch ziemlich gewurmt und minutenlang beschäftigt, während ich auf das Thema nicht mehr eingegangen bin, bei der Reaktion. Ich hätte vom Auftraggeber gerne früh gehört, dass wir als Gruppe hätten arbeiten sollen.

Oder, als wir alle in einen Raum in einer Disko eingeladen werden und mein Char, ein Dirk Gently-mäßiger magischer Detektiv, mit einem Cover als Hunter S. Thompson-mäßiger Gonzo-Reporter der nach Wörtern bezahlt wird und der äußerlich Romo Lampkin aus Battlestar Galactica gleicht, sich als erster in den leeren Konferenz-Raum begibt. Dort setzt er sich zielstrebig ans Ende des schmalen Tisches zur Tür gewandt hin. Als der nächste Spielercharakter eintritt, sage ich nur lapidar: „Ah da sind sie endlich, ihr Name war…?“. War eigentlich sehr lustig, etwas ungewöhnlich aber komplett nicht bedrohlich, weil auf Spielerebene natürlich sofort durchschaubar und transparent, dass ich nicht der Auftraggeber war.

Die Eskalation
Die Eskalationssituation begann damit, dass wir in einem Call-Center ermittelten. Der andere Spieler ermittelte direkt am Arbeitsplatz, ich fragte nach, ob es einen Leiter gäbe, mit dem ich sprechen konnte (und auf den ich in Folge mit „Leiter“ verweise, im Unterschied zum „Spielleiter“). Die Dame, die eine 19jährige Punkerin gespielt hat (wohl eine Nahkampfpunkerin) kündigte OOC an, mit mir mitgehen zu wollen, um auf mich „aufzupassen“ (nicht die Art von Aufpassen, die man in gefährlichen Situationen macht). Sie holte sich eine Cola, ich ging in das gläserne Büro des Leiters des Call-Centers, sie eilte zu mir herüber. Ich murmelte etwas von „vertraulich“ zum Leiter und schloss die Tür ab und winkte kurz charmant zu ihr herüber. In der Tat dazu auch etwas motiviert durch ihre Ansage, auf mich aufpassen zu wollen.

Dann offerierte ich der Gruppe, dass ich dem Leiter mal „die Wahrheit“ sagen wollte, also nicht ganz darauf bedacht war, alle Informationen zurückzuhalten,  – ein wohl typischer, kalkuliert-„naiver“ Schachzug von mir, den einige Charaktere von mir haben. Es sorgte für eine der interessanten und auch normalerweise amüsiert aufgenommenen „oh nein-Situationen“. War ich etwa ein Taschenlampenfallenlasser? Ein passiv-aggressiver Oberschussel? Nein ganz im ernst, ich spiele gerne Charaktere, die anderen Menschen Vertrauen schenken in Notsituationen, in der Hoffnung, belohnt zu werden und vielleicht sogar einen dauerhaften Kontakt aufzubauen oder sogar eine Freundschaft aufzubauen. Ich hatte doch extra einen social character mit guten Werten und gehe dann davon aus, dass ich mit der Wahrheit sogar weit komme, klappt in der Realität auch. (-> These: es sind nicht alle NPCs Monster und nicht alle Spieler sind gute Mitspieler?)

In diesem Fall war das Ganze aber eigentlich davon motiviert, dass ich OOC zuvor eine Zahnbehandlung hatte und irgendwie groggy war den ganzen Tag schon – was ich auch zuvor schon kundgetan hatte. Meine Motivation war einfach, dass ich keine Ahnung hatte, was ich auf die Schnelle dem Leiter sonst vorspielen sollte. Und so war meine Konzentration an dem Abend nicht ganz auf der Höhe, und ich etwas mehr im Stimmungsspiel-Modus als im zielstrebigen ARS-Modus.

Naja, die Folge war eine spontane Entstehung von Aggressionen (ob auf den Char oder auf mich, das weiß ich im Nachhinein immer noch nicht) bei ihr, die sie meinte, In-Game ausspielen zu können. Die Dame kündigte mehrfach an, mir eine „runterhauen“ zu wollen. Und die genervte Wut verflog auch nicht, als mein Socialising-Versuch gehörig schief ging. Und obwohl es typisch für meinen socialiser-character gewesen wäre, „professionell“ damit umzugehen und sowas als völlig normal und zum Berufsrisiko gehörend darzustellen, war ich selbst als Spieler schon leicht gefrustet von der Tatsache, wollte ich doch lieber mit nem neuen Kontakt/ Kumpel den Raum verlassen. Die Reaktion der Dame half da nicht weiter. Schon als ich dem Leiter sagte, ich wäre ein Shadowrunner (wobei ich überlegte, ob ich erwähnen sollte, dass es das erste Mal wäre), zog er sein Schwert und jagte mich fort. Im zügigen Vorbeigehen sagte ich ein wenig paternalistisch zur Dame „komm meine Tochter“.

Diese Flapsigkeit hat ihr vermutlich den Rest gegeben. (Oder auch weil ich sie mit mir in Verbindung brachte und damit in Gefahr.)

Draußen angekommen, griff sie mich an und schlug meinem Char mit einem Stun-Handschuh „in die Fresse“ und ging weg, ich war mir nicht wirklich sicher wie nun der angekündigte Angriff laufen sollte, aber er wurde komplett ausgespielt. Wir kannten die Kampfregeln bisher noch nicht, was vielleicht auch die gefühlte Unsicherheit erhöhte. Wieder um mein Gesicht zu wahren, leitete ich einen erfolglosen Gegenangriff ein: Ein Betäubungsblitz, den ich mit den Worten „nagut, dann testen wir mal die Zauberregeln“ zu wirken versuchte, was dann aber nur ihr Ohrläppchen zum Kribbeln brachte.

Mir war die ganze Situation zu dem Zeitpunkt bereits sehr unangenehm. Aber am schlimmsten fand ich, dass ich innerhalb der Regeln keine Waffengleichheit herstellen konnte. Wenn sich Spielercharaktere schlagen wollen, ist es immer toll, wenn alle blaue Flecken hätten und es keinen Sieger gibt. Das wäre dann auch klasse fürs Rollenspiel. Dass mein Zauber ziemlich in die Hose gegangen ist, hat da für mich nicht deeskalierend gewirkt und die Situation leider nicht aufgelöst. In der Situation wirkte Romo plötzlich noch hilfloser und ich wartete nur darauf, dass sie sich darüber kaputtlachte. (Kann aber tatsächlich nicht sagen, ob sie das tat.) Es war wieder mal ein Scheitern in einem zunehmend ernster werdenden Rollenspiel.

In Game wäre Romo wohl weggegangen, aber das hätte natürlich nicht auf der Spielebene funktioniert. Das schienen keine Gedanken gewesen zu sein, die sich die Dame machte, aber ich begann nun auch zu überlegen, wie ich spielmechanisch das in eine wieder spielbare Situation bringen soll und mir fiel nix anderes ein, als das Geschehene zu ignorieren – und ich steuerte auf unser Gefährt zu – in dem sie sich hingesetzt hatte. Der Spielleiter, der wusste, dass ich nur Platz nehmen wollte, beschrieb die Situation allerdings extra für die Dame etwas bedrohlicher: „er geht zielstrebig auf das Auto zu.“ Am Ende nahm ich nur Platz, aber die Dame fühlte sich weiter provoziert, ging heraus und setzte zu einem zweiten Angriff an.

Daraufhin entstand ein kurzer Streit, ob ich es schaffe, die Tür zu verriegeln bevor sie zu mit gelangen konnte und ob ein Hovercraft überhaupt Türen hatte – bei diesem Streit um die Deutungshoheit von bisher nicht definierten Details, um sein Gesicht zu wahren, platzte mir schließlich der Kragen.

Ich sprach sie direkt mit Namen an und sagte: „XXX, Ich habe keinen Bock auf diese asoziale Scheisse.“ (ähem)

Sie reagierte „irritiert“ (naja irgendwas zwischen verwundert und empört), fragte, wieso ich denn aus der IT-Ebene herausgegangen sei, sie angesprochen habe und zudem persönlich beleidigt hätte. Ich ging kurz darauf ein, dass ich sie nur beim Namen genannt hätte und erklärte ihr, dass ich die Situation nicht ausspielen wolle und nicht müsse. Es ging weiter, woraufhin sie anfing, ihre Sachen zu packen und dann zu gehen. Die Gruppe setzte auf Appeasement und spielte weiter, wobei ich die Notwendigkeit einer Klärung ansprach als sie kurz weg war. Es kam dann noch zu einem abschließenden Gespräch mit dem Spielleiter und dann ging sie. Am Ende kam es so weit, dass ich von weiteren Spielen zurücktrat, damit die Dame in den nächsten Wochen weiterspielen könne, da für sie nur einer von uns in der Gruppe bleiben dürfe.

EDIT: Fazit

Ich will gar nicht vorgeben, dass ich mich hier mit Ruhm bekleckert hätte. Ich denke immer noch über die Situation nach und frage mich, warum sie so abgelaufen ist. Ich suche hier keine Schuldigen, ich versuche eher Möglichkeiten aufzuzeigen was da passiert sein könnte.

Es ist das erste Mal, dass ich erlebe, dass ein Rollenspielabend ganz abgebrochen wurde und das erste Mal, dass ich explizit eine Grenze gezogen habe (obwohl das auch nicht so geglückt ist). Ich dachte bisher, es würde reichen, die Spielerregeln zu kennen und zu verstehen und ich würde dennoch niemals genervt die Initiative ergreifen und einem Spieler eine „in die Fresse“ hauen. (Und wenn ich auf so etwas einsteige, dann versuche ich das als „klassische Prügelei“ mit anschließender Verbrüderung als gutes Mittel für das Spiel umzudefinieren.) Aber das hat mir nicht geholfen und ich war überrascht, wie eskaliert das dann ist.

Zum Vergleich: Ich hab in meiner gesamten Rollenspiellaufbahn ein Mal einen Char angegegriffen: Es war der Char eines guten Freundes, In-Game kannten sich die Charaktere schon länger. es war rein rollenspielerisch (ein Faustschlag, es wurde spielmechanisch nicht ausgespielt, der Spielleiter hat das gar nicht richtig mitbekommen, weil wir das nebenbei gerollenspielert haben), es schwangen keine aggressiven Emotionen sonstiger Art mit („in die Fresse schlagen“), es war recht spontan für alle Beteiligten in und out game und eine kreative Reaktion auf eine Handlung, er meinte lachend „wirklich?“ und ich war auch eher in guter Laune, mein eigener Char war durch seine eigene Handlung sehr perplex und kam nicht so richtig damit klar, war wunderbar auszuspielen, der Char meines Freundes tat mir dabei ziemlich leid und allgemein war ich in der Situation aber auch besonders hellhörig auf die Reaktion meines Freundes und wäre bereit gewesen da auch gerne zurückzustecken. Also als kurze Vergleichsmöglichkeit. Ich weiss nicht warum das mal so läuft und dann mal ganz anders scheiterm muss.

Auf der Reise über die eigene Komfortzone hinaus, kommt man als erstes in ein neckendes Spiel zwischen Spielercharakteren das sehr unterhaltsam ist und förderlich für die Entwicklung der Charaktere, das gebe ich gerne zu und kenne es selbst und ich denke das ist häufig praktiziert. Aber bereits dieser Bereich kann gefährlich sein. Die genannten Beispiele kamen in drei Abenden vor, von denen ja zwei sehr gut liefen – wirklich, gerade der zweite Abend war sehr, sehr cool!

Ich glaube sogar, ich kann von mir sagen, dass ich zwei Spielmodi habe: den ARSigen, bei dem optimiert agiere und den Stimmungsspieler-Modus, wenn ich sehe, wir hängen wieder in einer Taverne rum und jetzt wird das Gold verprasst. Letzterer ist entstanden, weil ich gemerkt habe, dass ich das taktisch-strategische Spiel nicht in allen Situationen anbringen konnte (beim obligatorischen Railroading in Stimmungsbereiche) und gerade auch andere Mitspielern diese Spielweise tw. genervt hat und die dann mit meinem Stimmungsspiel viel besser klarkommen. (Es gibt Spieler, die finden halbstündige und längere Planungen bei taktischen Situationen blöd.) Wenn ich über die Strenge schlage, dann im Stimmungs-Modus, aber ich versuche generell auf Spielerebene zu markieren, dass das harmlos ist (wie auch ich insgesamt eher harmlos wirke) und hoffe, dass der Spielleiter die Gruppe dafür nicht „bestraft“.

Aber dieses „neckende“ Spiel, das es zwischen sehr vielen Charakteren gibt, kann halt auch kippen. Das ist mir bisher nicht passiert. Und die anderen beiden Male, in denen mein Char angegriffen wurde waren in Sitzungen, wo dieses „Necken“ noch nicht mal vorher passiert ist. (Und beim schlimmsten Mal war es sogar In-Game-mäßig völlig gerechtfertigt!)

Was mich verunsichert ist: ich merkte, dass ich selbst nicht ganz die Kontrolle bzw. das Feedback darüber habe, ob ich einen Spieler nerve oder nicht. Und bereits das kann schnell zu einem sehr großen Problem werden. Man muss als Spieler also bereits drauf achten, wann man genervt ist. In solch emotionalen Situationen kann man schnell etwas überfordert sein. Man muss auf die eigenen Gefühle achten, will kein Spielverderber sein, fühlt sich schnell überrumpelt und in der Situation drin. Ein „Moment mal“ wäre der erste Schritt. Dabei muss nicht gewartet werden, bis man sich definitiv unwohl fühlt. Dann kann es bereits zu spät sein. So ist zwar das Ziehen und Aufzeigen von Grenzen ein wichtiger Punkt, aber selbst das kann unterschiedlich glücken oder scheitern und sogar als Angriff interpretiert werden a la: „er hat mich fertig gemacht, ich will jetzt für einen Ausgleich sorgen und er entzieht sich dem und lässt mich hier doof dastehen vor allen.“

Also bereits wenn man bemerkt, wie jemand aggressiv oder sehr genervt ist sollte man das ansprechen! Auch wenn du dich nicht als Ziel dieser Emotion fühlst, gerade dann! Warum? Das Nicht-Reagieren kann interpretiert werden als Wahrnehmung von Normalität. Wenn dann die Situation eskaliert, wirkt das noch mehr als schockierender Kontrast. Eine Situation kann nicht so schnell eskalieren, wenn die Leute schon ihr Unbehagen zuvor kundgetan haben.

Ich wünsche der Dame alles Gute auf ihrem weiteren Rollenspielweg. Mit etwas Glück haben wir alle daraus gelernt.

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9 Antworten to “Die femme fatale und der misslungene Abend”

  1. Danke, ich glaube deine Interpretation trifft es ganz gut.
    Eine kleine Anekdote noch zu dem Abend: wir waren ja eh wenige an dem Abend und als das Spielen nur schleppend losging hat die Dame auch vorgeschlagen, es ganz zu lassen und für einen Moment war dann der Vorschlag in der Luft, einfach einen Videoabend zu machen. Ich fand das etwas schade und hab mich dann doch noch für’s Rollenspiel ausgesprochen, was dann ja auch stattgefunden hat.. hätte ich das mal vorher gewusst, wie das läuft..

    Ich hab mir auch noch mal Walmsley zu Gemüt geführt. Es geht da ja eigentlich um Improvisation. Er sagt mit „Play Unsafe“ auch, dass man die eigenen Komfortzone hinterfragen soll. Das ist prinzipiell richtig, aber sich doch darauf einzulassen, außerhalb der Komfortzone zu spielen, kann auch ein Risiko sein. Ist ne gute Frage, ob es das wert ist.

  2. Toller, und spannender Beitrag!

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass – auch unter der Grenze des Abbruchs einer Spielrunde – sehr viele solcher Spannungssituationen entstehen.

    Nach meiner Einschätzung habt ihr eine Hierarchiediskussion gehabt, also eigentlich versucht, eure Rollen als Spieler in der Gruppe festzulegen – nur eben In-Time und Out-Time vermengt.

    Normalerweise gibt es ja in einer schon länger zusammenspielenden Runde bestimmte Muster. Oft kann man z.B. beobachten, dass ein Spieler irgendwann sagt: So machen wir das, und die Plaungsphase endet. Das hattet ihr nicht und musstet es erst etablieren. Und deine Mitspielerin hat dein Verhalten im Spiel als Versuch gewertet, oben in der Hierarchie der Gruppe zu landen.

    Dein Verhalten (im Spiel) wäre etwas, was ich, würdest du es Out-Time zeigen, auch nicht tolerieren würde. Da ihr euch nicht kanntet, war es für die anderen am Tisch sehr schwer zwischen dir als Spieler und deinem Char zu trennen.

    Das solches Verhalten mal zu einem interessanten Spiel geführt hat, habe ich nur einmal erleben können (und ich weiß nicht, ob es den anderen gefallen hat) – und das war bei einer Werewolf:TA-Runde, wo es intime um die Führung des Rudels ging und die Spieler sich noch nicht kannten. Da fand ich es spannend, Dominanz über die anderen Spieler zu etablieren und deren Gegenstrategien zu erleben. War aber auch stressiger, als ich es üblicherweise mag.

  3. Ach wie gesagt es war eh für 3-4 Sitzungen angelegt. Aber jetzt hab ich ja doch fast den Verdacht, dass es in deutschen Rollenspielsitzungen öfter knallt als ich dachte ;) Ich kenne das eigentlich nicht und bin vllt. auch etwas verwöhnt was das angeht. Ich hab ins Fazit noch mal ein Beispiel eingebracht, einer solchen Extremsituation, wie sie mal anders abgelaufen ist.

    Ach ein interessanter Nachtrag, der mir gerade mal aufgefallen ist: Ich weiß immer noch noch ganz genau, was jetzt eigentlich In-Game abgelaufen ist, obwohl das ganz genau spielmechanisch ausgespielt wurde. Ich habe zwar Schaden abgezogen bekommen, aber ob das jetzt viel ist, oder normal für einen Hieb kann ich nicht sagen oder wie genau der Stun-Handschuh wirkt. Ich habs aber definitiv nicht als „Ohrfeige“ oder in die Richtung interpretiert. Auch ein interessantes Detail unter vielen..

  4. Ich muss auch sagen, das ich die Punker Spielerin verstehen kann. Also in dieser Situation hätten die meisten meiner Charaktere sehr ähnlich reagiert.
    In einer meiner Runden knallt es auch öfters mal zwischen den Spielercharakteren. Und ja natürlich gibt es einen Gewinner und Verlierer. Eher selten geht es unentschieden aus.
    Allerdings sorgt der Spielleiter aber dafür das jeder mal Gewinner oder Verlierer ist.
    Wir haben sehr unterschiedliche Gemuter und Arten von Charakteren in der Runde und jeder hat sein Spezialgebiet, wodurch er den anderen irgendwie überlegen ist.
    Eine Dame spielt einen absoluten Tank, der einen rein durch Waffen und Kraft zerfetzt, einen absolut genialen Meisterdieb, begnadete Nekromantendame, mein Charakter vernichtet Gegner ohne sie berühren zu müssen und so weiter und so weiter. Das der Tank den Meisterdieb in einer Kampfsituation vernichtend Schlägt, ist klar. Genauso auch, das der Tank nichts vor dem Meisterdieb verstecken oder zurückhalten kann, egal wie sehr sie es versucht.

    Damit sich Spieler nicht OT an den Karren gefahren fühlen, sollte man da wirklich vorher ganz klar drüber sprechen und in Pipi-Pausen kurz ansprechen, „Alles in Ordnung? Alles noch IT?“.

    Ist natürlich schade, wenn das so läuft wie bei euch und ein Spieler sogar die Runde verlassen muss.

  5. Meinst du das hier? Ich hab daraus hauptsächlich Tipps wie „weniger Anstrengung ist mehr“, Tipps für die Darstellung von Status und, dass Impro-Spiel generell bereichernd sein kann entnommen. Zu den anderen Aspekten mit dem Fallenlassen der Schutzschilde wird auch da erwähnt, dass das nicht so einfach ist, soweit ich mich erinnern kann und das man natürlich bestimmte Dinge nicht ausspielen muss (genanntes Beispiel: Vergewaltigung).

    • Volker Mantel Says:

      Ja, genau. :-)
      Aber Vergewaltigung ist schon ein viel zu krasses Beispiel. Die „Angst zu Verlieren“ drückt sich ja schon in viel banaleren Situationen aus. Dein Charakter hat ja z.B. indem er der Punkerin den Zutritt zum Büro verweigerte, ihrer Spielerin eine Niederlage zugefügt (oder vielleicht weniger negativ ausgedrückt: ihre spielerische Freiheit eingeschränkt). Die Reaktion war: Ihr Charakter haut Deinem Charakter eins auf die Zwölf. Da hättest Du dann evtl. mitspielen und einfach zu Boden gehen können. Aber das hätte ja eine Niederlage für Dich bedeutet (anders als die von Dir angedachte Prügelei, bei der am Ende -augenscheinlich- keiner der Verlierer gewesen wäre). Also selbst wenn man etwas über Improvisationstheater gelesen hat, ist es schon sehr schwer, ein so objektives Verhältnis zu seinem Charakter zu entwickeln, dass man seine Mitspieler mit ihm machen lässt, was sie wollen. Besonders wenn man gerade mal nicht so gut drauf ist. Dazu bedarf es nämlich sehr viel Vertrauen zwischen den Spielern.
      Und da man dieses Vertrauen in den wenigsten Spielrunden findet*, versuche ich den Mitspielern möglichst alle Freiheiten zu lassen (sprich: ihnen keine Niederlagen zuzufügen). Und wenn das funktioniert, ist das schon mal ein erster Schritt zu auf das „Sag ja – Prinzip“ aus „Play Unsafe“.

      *ist übrigens ganz wertfrei gemeint ;-)

  6. Volker Mantel Says:

    Tja, die meisten Rollenspieler sind halt Rollenspieler und nicht Schauspieler. Will sagen, eine Niederlage seines/ihres Charakters (und sei es „nur“ in sozialen Situationen) wird als Niederlage des Spielers betrachtet und es wird entsprechend darauf reagiert – mit Zurückschlagen. Und so eskaliert die Situation.
    Die meiner bescheidenen Meinung nach einzige Möglichkeit: Im Vorfeld abklären, ob man Mitspieler hat, die „Play Unsafe“ gelesen und sich zu eigen gemacht haben. Wenn nicht, wie in den meisten Runden, die ich kenne, sollte man darauf verzichten, seinen Mitspielern (wenn auch nur scherzhaft gemeint) eine „reinzuwürgen“.

  7. Ich habe mein Fazit noch mal etwas angepasst. Wie gesagt ich bin selbst noch am Überlegen, was und wieso das genau so gelaufen ist.
    @Rorschachhamster: Vllt. geht das ein wenig auf das ein, was du dazu meintest.

  8. Nichts für ungut, aber Sachen wie die Frage an den Auftraggeber, das Verhalten im Konferenzraum und dann noch das Überhebliche Aussperren, kombiniert damit es [i]total zu versauen[/i] und auch noch flapsige Sprüche bringen… mein Runner hätte dir auch in die Fresse gehauen. Und das alles auf reiner Spielebene wohlgemerkt. Und normalerweise hätte dein Charakter das hinnehmen sollen, weil ihre Punkerin absolut recht hatte und jeden Grund sauer zu sein…
    Wenn man dann noch vorherige Spannung zwischen euch als Spieler dazunimmt, dann wundert micht nichts, was passiert ist.

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