World of Classcraft – der Unterricht in der Schule als Rollenspiel

Bei Ubihex bin ich auf ein interessantes Thema gestoßen, ein Spiegel-Artikel von Markus Böhm hat bereits am 18. April darüber berichtet: Der kanadische Lehrer Shawn Young hat vor einem Jahr das Lernen zum Spiel gemacht. Das Projekt ist bei seinen Schülern gut angekommen, jetzt will er eine Online-Infrastruktur aufbauen, durch die hunderte von Klassen bei dem Augmented-Reality-Spiel teilnehmen können.

Die Idee von Gamification ist einfach: Wenn man sich einmal anschaut, wie viel Zeit und Energie in Spiele investiert wird, ausgedrückt in der unglaublich hohen Anzahl von Spielern weltweit und den Gewinnen dieses wachsenden Marktes, ein gutes Beispiel ist hier wohl World of Warcraft, stellt sich schon die Frage, ob man diese nicht so strukturieren kann, damit nebenher beim Spielen auch gezieltere Probleme oder Aufgaben im Real Life gelöst werden können. Im Zeitalter des Computerspiels werden Spaß und Unterhaltung zu einer neuen Währung, wie es treffend in einem Artikel dazu heißt. Vielleicht könnte sowas auch der Bildungskrise bei den Jungen entgegenwirken. Die noble Absicht befreit allerdings nicht davon, ein Spiel kreieren zu müssen, dass auch interessant ist, sonst wird es nicht gespielt.

Shawn Young selbst hat schon Erfahrung mit einigen Spielen gemacht, „World of Warcraft“, „Magic: The Gathering“ und „Dungeons & Dragons“ gehören dazu. Interessant finde ich Youngs Definition eines Spiels. Rabattmarken und -punkte Sammeln macht für ihn noch nicht ein Spiel aus:

SPIEGEL ONLINE: Im Alltag begegnen einem immer wieder Ideen aus der Spielewelt, fast in jedem Supermarkt kann man Punkte sammeln.

Young: Wenig davon hat wirklich mit Spielen zu tun. Mich stört es, wenn sich Gamification darauf beschränkt, einfach nur ein Punktesystem einzuführen, das eigentlich keinen Sinn ergibt. Spiele brauchen Bedeutung, sie müssen fesseln. Und dazu gehört das Risiko: die Möglichkeit, zu verlieren. Das ist auch der Grund, warum die Charaktere bei „World of Classcraft“ sterben können und dem Schüler in diesem Fall eine kleine Strafe droht, zum Beispiel das Abschreiben eines Textes.

Bei World of Classcraft zeigt sich das dadurch, dass die Spieler nicht automatisch heilen. Sie müssen APs einsetzen oder ihre Mitspieler dazu bringen sie zu heilen. Das involviert die Spieler schon einmal mehr als eine bloße Simulation, die vor ihren Augen abläuft.

Eine anderer Aspekt ist, dass das Spiel nicht direkt kompetitiv ist (Gott bewahre).

Das Spiel ist freiwillig, scheint aber bei den meisten anzukommen. Von 66 Schülern in zwei Klassen beteiligen sich 61 an dem Spiel. Einige Schüler haben dadurch nochmal besonders viel Motivation aufbauen können, wie es im Spiegelartikel heißt. Ob es zu besseren Noten führt, weiß Young nicht, aber der Unterricht werde definitiv attraktiver.

Die Regeln
Die Schüler wählen sich Charaktere aus mit bestimmten Fähigkeiten und bilden Teams von 8 Personen. Die Spieler verwalten nun drei Ressourcen: Erfahrung, Lebenspunkte und Aktionspunkte. Mit Erfahrung leveln sie und schalten neue Fähigkeiten frei, mit Aktionspunkten aktivieren sie die Fähigkeiten und können z.B. Lebenspunkte wieder aufbauen. Unerwünschtes Lernverhalten führt zu Lebenspunkteabzug.

Durch gute Noten, richtige Antworten usw. leveln die Charaktere. Schlechte Noten, vergessene Hausaufgaben, Zu-spät-Kommen und mit dem Spielleiter zu diskutieren führt zu Lebenspunkteverlust. Stirbt ein Char, verliert jeder im Team Lebenspunkte und der Spieler hat weniger Minuten im nächsten Test oder muss die nächsten Hausaufgaben früher abgeben. Jeden Tag erhalten alle Charaktere Aktionspunkte, mit denen sie je nach Charakterklasse Lebenspunkte wieder herstellen können, zu spät kommen dürfen, Fenster öffnen oder schließen können, sich oder dem Team mehr Zeit bei einem Test verschaffen können oder iPod beim Aufgaben Lösen im Unterricht hören können.

Um das Ganze noch interessanter zu machen, gibt es am Anfang jedes Unterrichts ein Zufallsereignis mit guten oder schlechten Auswirkungen.

Die Idee ist interessant, für den Kickstarter sieht es aber nicht so gut aus. 5 Tage läuft er noch. Aber selbst wenn er nicht klappen sollte, so sieht Young sein Spiel nur am Anfang.

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