Tunnels & Trolls meets Jennell Jaquays’ Caverns of Thracia – Zwischenbericht III

Weiter geht’s im Playtesting. Diesen Abend wurden einige mysteriöse Seiten des Dungeons aufgedeckt. Gefunden wurde ein tempelähnlicher Bau, der Podest und das Becken der Athene, Testikles konnte der Versuchung nicht widerstehen, an einen Hebel zu hebeln, fand sich daraufhin verloren mitten im Nirgendwo wieder und konnte eine innere, magische Kraft in dieser Notsituation für sich nutzen. Dort musste er vor unvorstellbaren Grauen fliehen, entdeckte einen Schatz, den er nicht bergen konnte, renkte sich eine Schulter aus und verletzte sich so sehr, dass ihm nun für alle Zeiten ein leichtes Hinken begleitet. Am Ende hielten ihn alle aufgrund seiner Erzählung dessen, was er erlebt hatte, als er in den 15 Minuten alleine war, für wahnsinnig. Auch auf der Reflektionsfront gibt es neue Erkenntnisse.

Die Gruppe dieses sehr spontanen Abends bestand aus vier Mitspielern. Testikles war bereits das letzte Mal dabei, ein junger Apollonier mit thrakischen Wurzeln, Held der Ringer im Gymnasion. Im Dungeon verfügt er über die Fähigkeit, eine Flamme herbeizuzaubern. Sie sollte ihm dieses Mal von großem Nutzen sein. Er leitete alte Vertraute in die Guano-bedeckten Eingangsbereiche, die er bei der letzten Exkursion entdeckt hat: Aleuax den thrakischen Peltasten, Einzelgänger aus dem thrakischen Hinterland, der mit einem besonderen Spürsinn für verdeckte Türen und anderes Verstecktes ausgestattet ist, Kyros Mantikos, ein thrakischer Anhänger bacchischer Mysterienkulte, ein Magier, der (aufgrund seiner „noch nicht ausgereiften“ Erkenntnisse und Geschicklichkeit) sein schlummerndes magisches Potential noch nicht freigesetzt hat, dafür aber mit hervorragenden Kampffähigkeiten glänzt. Ein neues Gesicht war dieses Mal dabei: der junge Ploidon, ein gelassener Magier, der den Hitzigen ruhig folgt und sich nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Zunächst eine kleine Anekdote aus dem Bereich der Hausregeln. Wir verwenden ja bei unseren Tunnels & Trolls – Hack bei der Charaktererschaffung die Methode, drei Würfel zu würfeln und das Ergebnis direkt dann zu verteilen. Dann folgen die nächsten 3 Würfel und werden verteilt usw. Ein Triple erlaubt dann am Ende zwei Werte zu tauschen, nicht aber DARO-mäßig weiter aufzuaddieren (dies aus dem Grund, dass wir alle uns in einer Testphase befinden und gerne ein Gefühl für die noch nicht so stark abweichenden Aspekte von T&T haben wollen). Dabei ist uns aufgefallen, wie wenig ansehnlich die Gruppe gerade heute war, weil Charisma wohl der Dumpstat schlechthin ist und auch Bildung ist kein hohes Gut bei den vorliegenden Helden – nicht dass das ihnen jemand direkt ins Gesicht sagen würde. So kommt es, dass Kyros fast unnatürlich stark behaart ist und Ploidon von etwas unansehnlicher, mehr als nur zu großer Körperstatur ist. Im Verlaufe des Abenteuers hat Testikles zwei Mal in Panik versucht, eine Geheimtür von der falschen Seite einzurennen, dabei geschahen ihm direkt aufeinanderfolgend zwei Missgeschicke (1-2, 2-1, 1-3 oder 3-1 gewürfelt). Dies führte dazu, dass auch er fortan an einem leichten Hinken zu erkennen ist. Ansonsten aber ein abgebrühter Haufen harter Kerle.

Die Gruppe begab sich dieses Mal nach einem etwas unkoordiniertem Aufenthalt in den Ruinen über den Tunneln (weil sie doch etwas ihre Orientierung verloren haben, es ist mittlerweile etwas lange her für einige Spieler..) in die Große Eingangshalle (1). Zuvor entwickelte sich folgende Anekdote. Nachdem ich die Karte ungefähr aufgemalt hatte und für wandernde Monster gewürfelt hatte erkannte ein Spieler (oder mehrere?) nicht mehr genau den geheimen Eingang (zu 18) wieder. Auch als sich dieser vor der Nase der Gruppe befand, überlegten sie, ob dies nicht etwa ein anderer, neuer Eingang sei und sich der „richtige“ Eingang an der anderen Seite befinden müsste. Dazu  muss gesagt werden, dass das zentrale architektonische Element ein achsensymmetrisches Fundament in der Mitte ist, das ich in letzter Zeit immer als erstes betont habe. Dieses Mal hat es für etwas Verwirrung gesorgt. Nun verlangte ein Spieler, dass ich Auskunft geben sollte, weil die Charaktere sich hier doch auskennen müssten. An diesem Punkt konfrontierte ich meine Spieler mit einer Interpretation des Law’schen Old-School-Diktums vom „player not character skill“. Wenn sie sich nicht erinnern könnten, könnte ich ihnen nicht helfen, sie seien in diesem Fall ihr Charakter. Zur gleichen Zeit meinte ein Spieler, das man in den Geheimgang eh nicht hinein solle, weil dort schon alles ausgeräumt sei und dort nur tiefere Bereiche auf sie warten würden. Etwas irritiert zu mir blickend fügte er so etwas hinzu wie „..obwohl das jetzt abstraktes Spielerwissen ist..“ . Daraufhin erklärte ich fröhlich dass sie sich gerne darüber unterhalten können, und dies auch gerade in perfektem Koine-Griechisch in-Character in altertümlicheren Begriffen auch gerade geschehe und, dass dies die Kehrseite des Law’schen Diktums sei, darüber dürfen und sollen sie sich natürlich unterhalten! (Während ich natürlich wieder für wandernde Monster gewürfelt habe..) Überleben, Taktik, Planung. Rollenspiel klar auch, aber das geht auch nebenbei und darf die anderen genannten nicht einschränken. Das Rollenspiel muss zuallererst einmal als Spiel funktionieren. Behaltet das bei und macht darüber hinaus damit was ihr wollt. (ARS.)

Es ging also in die Halle, die auf der Dry Erase Mat aufgezeichnet wurde (kleine Notiz an mich: 1 Zoll entsprach einem Feld, also = 10 Fuß bzw. drei Meter). Dieses Mal ging es nach links in den eckigen Gang zum Wachraum (7). Mutig ging Testikles vor, fiel aber prompt in dieselbe Falle, mit der er schon letzte Sitzung Bekanntschaft gemacht hatte, als er sich ihr von der anderer Seite näherte. („Ist die denn wieder aktiv?“ meinte ich zu hören..) Doch nichts schlimmes ist geschehen. Am Wachraum horchte er und stellte fest, wie auch innen gehorcht wurde. Schnell wurde beraten, wie weiter vorzugehen ist. Die Tür müsse aufgestoßen und die Wachen erledigt werden – doch ein Geräusch war zu vernehmen. Etwas schob sich an die Tür (die sich nur nach innen öffnen ließ). Nun war sie versperrt. Doch Aleuax zuckte ein Pechfläschchen, brachte es an und steckte die Tür in Brand, während die Gruppe an der Ecke weiter nördlich (zu 8) fern der Rauchentwicklung wartete. Zuvor wurde sich noch vergewissert wo der Geheimgang war, der in der Sitzung zuvor entdeckt wurde. Dann stießen die Wachen die Tür auf und rannten mit Speeren in Formation in den Gang. Es waren zwei an der Zahl. Schnell stellten sie fest, dass ihre Peiniger nicht direkt hinter der Tür standen, sondern weiter hinten, blickten sich an und rannten weg, nicht ohne dass Aleuax ihnen einen Speer nachwarf, der einen streifte. Mit Testikles zusammen nahm er die Verfolgung auf. Ploidon und Kyros begaben sich gemächlich zum Wachraum. Aleuax holte den langsameren Flüchtenden an der Ecke (bei 6 oben) ein und rammte ihr, der stolperte und wurde vom nachfolgenden Testikles in die Mangel genommen. Als Kyros dies sah eilte er Testikles schnell zur Hilfe und beide machten kurzen Prozess mit der Wache. Aleuax verfolgte den schnelleren Flüchtenden, der im Guano der großen Halle (1) ausrutschte. Er lag am Boden, als Aleuax sich ihm mit erhobenen Wurfspeer auf 5 Meter näherte und ihn beschoss. Diesen konnte die Wache aber mit einem kräftigen Aufschnellen des Schildes abwehren. Mit neuem Mut beseelt sprang er nun auf die Beine. Im darauffolgenden Gefecht verletzte er Aleuax. Doch bevor es zu arg wurde, kamen schon Kyros und Testikles angerannt und der Gegner begab sich hastig aber nicht zu übereilt in Richtung Treppe um zu flüchten. Testikles spurtete aus dem trockenen Gang in die rutschige Halle, wich Aleuax geschickt aus und warf dem Flüchtenden seinen Schild hinterher um ihn zu treffen. Doch dieser war bereits kaum zu sehen, so hoch war er bereits auf der Treppe. Das Schild verfehlte.

Die Gruppe machte sich nun auf in den langen Gang nördlich des Wachraumes. Über 50 Meter weit führte er leicht abfallend in eine Ecke. Von dort führte eine Treppe weiter nach unten in eine hohe Höhle (42). Es war stockfinster, nur die Fackel der Gruppe sorgte für Licht. Ein Schutthaufen erhob sich vor ihnen. Oben befand sich nördlich und südlich eine Halle in die sich nicht einblicken ließ. Sie war offenbar einst eingebrochen in die Höhle. Genau auf dem Weg zum unteren Gang entdeckten aber einige Wachen aus dem erhöhten Bereich 30 Meter nordöstlich von ihnen (43) sie. „Halt da, stehenbleiben!“ ertönte es und mehrere Wachen liefen auf sie zu, im Dunkeln war ihre Zahl nicht auszumachen. Ich fasse die folgende Begegnung zusammen. Interessant war folgendes:

1.) Ploidon, der sich zuvor an keinen Kämpfen beteiligt hatte, dafür aber schon einmal den Wachraum (7) inspiziert hatte und etwas Silber und Nahrungsmittel geborgen hatte, versorgte die Gruppe mit den frisch geborgenen Oliven. Nun rief er zu den Wachen hinüber und wollte sich mit ihnen verständigen, es kam aber keine Antwort.

2) vor dem folgenden Gefecht zogen sich Ploidon, Kyros und Testikles auf die Treppe zurück. Die Fackel, die sie zuvor mitgeführt hatten lag nun auf dem Boden 10 Meter südlich von der Treppe und ging langsam aus. Aleuax bewegte sich im Schutz der Stalagmiten und Trümmer und griff eine der vier Wachen an, die nördlich der 42 stand und einen Pfeil auf die Gruppe schoss. Die Wache wurde aufmerksam auf ihn und wollte ihn stellen, aber Aleuax zog sich an den südöstlichen Teil des Schutts zurück um im Schutz der Dunkelheit einen weiteren Angriff auf die Wache zu starten. Währenddessen fand der Kampf an der Treppe stand. Aleuax nutzte die Gelegenheit, sprang nördlich auf den Schutt und warf von dort aus seinen Speer.

3) In der Zeit wurden die Sikarios nutzenden Helden auf der Treppe von den Speeren der übrigen drei Wachen bedroht. In einem wilden Umherschlagen hakten sie die Speere zweier Wachen ab, die sich nun zurückzogen und ihre Kurzschwerter zogen. Genau in diesem Moment wirkte Ploidon einen Zauber um die Waffen des Kyros noch tödlicher zu machen. Dieser sprang von der Treppe auf den nördlichsten Gegner, der gerade seine neue Waffe ziehen wollte. (Rettungswurf-Stunt, der klappte.) Doch Kyros kam ihm zuvor und schlug seine beiden schweren Sikarios-Macheten in seinen Oberkörper und tötete ihn. In einer Drehung griff er auch seinen Nachbarn an, der noch bewaffnet war, aber auch nicht viel entgegensetzen konnte. Testikles machte es Kyros nach, sprang von erhöhter Stelle auf ihn zu und köpfte ihn dann.

4) Währenddessen versuchte sich Aleuax der dritten dieser Wachen von hinten zu nähern und verpatzte seinen Angriff aber sehr. Die Wache bemerkte ihn, ließ ihn in das Getümmel stolpern, positionierte sich weiter westlich und sah dort das Malheur. Von dort suchte sie schnell das Weite und entkam in den südlichen Gang.

5) Daraufhin durchkämmte die Gruppe in lockerer Linie den Bereich Richtung Stalagmiten um dort den Bogenschützen zu stellen, der sich nach den Todesschreien seiner Kameraden nun hier versteckte. Er griff hinter einem riesigen Stalagmiten mit der Mut der Verzweiflung an und fiel ins offene Messer.

Im weiteren Verlauf des Abends fiel Testikles in eine Fallgrube mit langen Spießen, er konnte sich an diesen jedoch festhalten und wie an einer Feuerwehrstange runtergleiten. Die Gruppe wollte ihm gerade ein Seil reichen, als er am Grund der Falltür einen Hebel entdeckt und betätigt. Ein Spieler meinte noch „moment, mach dir erst das Seil um..“. Genau aber in diesem Moment öffnete sich auf dem Grund der Fallgrube eine weitere Falltür, die Testikles in einen einsamen Bereich des Dungeons brachte. Danach verriegelte sie sich. Hier war es nun sehr dunkel doch Testikles konnte glücklicherweise seinen einzigen Zauber wirken und eine magische Flamme erschaffen. Nun begab er sich durch die Gänge und Räume mit handbreithohem Wasserstand und wurde dabei sowohl von seltsamen Schatten bedrängt, die seinen eigenen Schatten angingen, als auch von einem riesigen Wasserelementar, der sich langsam aufbaute, den panisch wegrennenden zu verfolgen begann und die Form eines riesigen Minotaurs annahm. Am Ende fand Testikles eine Schatzkammer mit 12 Truhen und eine Treppe, die nach oben führte, allerdings in eine Wand hinein. Er öffnete eine Truhe, als auch schon sein magischer Verfolger auftauchte. Schnell schnappte sich Testikles wahllos eines der in Leder eingehüllten Objekte und lief die Treppe hinauf. Der Elementar machte sich auf, ihn dorthin zu verfolgen. Mächtige Wellen brachen sich donnernd an die Wände des Raumes. Die Treppe endete allerdings ebenfalls in einer Wand.

Zur gleichen Zeit ließen die anderen Helden Trümmer immer wieder in die Fallgrube fallen, um den Zugang der unteren, steinernen Fallgrube zu öffnen und Testikles folgen zu können. Dies gelang ihnen nicht, aber sie hörten brodelnde Wassergeräusche aus Richtung des Athene-Podestes (45), dem ich zuvor einen wassergefüllten Becken hinzugefügt habe (eine kleine Änderung meinerseits von der Dungeonvorgabe).

Testikles schlug verzweifelt gegen die Wand, Putz fiel ab, der wasserbrodelnde Peiniger näherte sich ihm, sein Brodeln hörte sich wie ein Brüllen an, er hatte die Form eines riesigen Minotauren. Testikles warf ihm den erbeuteten Gegenstand entgegen – einen seltsam verzierten, spitz zulaufenden Zylinder mit drei Beinen und Schnüren am anderen Ende – und welch Wunder (ich ließ den Spieler einen Würfel würfeln, ob diese Aktion Abhilfe schaffen würde und er würfelte eine 6) – der Elementar sammelte das Objekt auf und legte es in die Truhe wieder hinein. Testikles atmete auf. Doch gleich darauf brüllte der Elementar wieder und machte sich in Richtung Treppe und Testikles auf. Dieser hämmerte verzweifelt gegen die Wand. Mittlerweile war zu erkennen, dass es sich um eine Geheimtür handelte, aber sie war nicht richtig zu öffnen. Hierbei würfelte Testikles‘ Spieler zwei Patzer. Der Erste führte zu einer ausgerenkten Schulter und einem lauten Schmerzensschrei, den auch die Helden am Athene-Podest vernahmen, der Zweite zur Fußverletzung und dem Hinken. Nun konnte Testikles langsam seine blutigen Fingespitzen in die freigelegten Fugen der lange nicht betätigten Geheimtür krallen und sie nach innen aufmachen. Er stolperte aus einen Geheimgang am südlichen Ende der östlichen Wand des Athene-Podestes (45) heraus. Von dort floh er mit seinen Gefährten.

Im nächsten Teil meine aktuellen Überlegungen zum Leiten von T&T und Lehren aus dieser Sitzung.

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