Hass in der Community

Eine Sache, die ich nicht verstehe: seit einiger Zeit verfolge ich die Old School Renaissance, zunächst mehr in Foren zu Sword & Sorcery, dann zum Thema Dungeoneering, schließlich zu Tunnels & Trolls. Seltsamerweise war ich dabei immer, immer in englischen Foren unterwegs. Von diesen Seiten waren mir viele Persönlichkeiten bekannt, die wichtige Beiträge für das Hobby geleistet haben, darunter Melan, Philotomy, RPGPundit, Settembrini, T. Foster, PapersAndPaychecks, Wheggi, Mythmere, Justin Alexander, Evreaux, Benoist und Maliszewski. Ja sogar Ron Edwards hatte interessantes zum Thema zu sagen, obwohl er mehr T&T anhängt als D&D. Vor einigen Tagen war mir nicht einmal klar, dass die Kluft zwischen dem, wofür Edwards steht und dem, wofür die OSR steht, so groß ist.

Es begann damit, dass ich vor einigen Tagen erst festgestellt habe, dass Settembrini Deutscher ist und einen Blog hat. Ich habe ihn natürlich erst einmal systematisch durchforstet. Fern von den deutschen Foren (ich habe nicht viel mit DSA, WoD oder SR zu tun) und den hitzigeren Bereichen der englischen Foren waren mir Begriffe wie „Swine“ und „ARS“ bzw. ihre Verwendung bisher so nicht bekannt. Höchst interessant. Ich muss sagen, dass Settembrinis Blog ein Hochgenuss ist.

Betroffen war ich  von dem geschilderten Zustand der Rollenspielcommunity. Der Graben zwischen den Plotophilen und den ARStisten war mir immer bewusst, aber ich hatte ihn persönlich nicht so erfahren müssen und vielleicht immer auch ein wenig ausgeblendet. Ich selbst sehe mich als eine offene Person, außerdem weiß ich genug von Medienkompetenz und -theorie, dass ich glaube, das elitäre Fantum als solches zu erkennen und schnell dekonstruieren zu können (z.B. mit Cultural Studies). Dabei habe ich nichts gegen Elitarismus und Wertung, wenn das höher bewertete idealistisch genug bleibt und nicht plump von einer Gruppe in Anspruch genommen wird. (Ich mag auch die Frankfurter Schule bzw. Adornos Dialektik der Aufklärung.)

Hinzu kommt, dass Rollenspiel für mich immer eine Aktivität unter Freunden war. Ich selbst bin mittlerweile nicht mehr so oft in Rollenspielläden unterwegs wie noch vor zehn Jahren. Das ganze habe ich vielleicht mit einem auch abstrakten Interesse an dem Hobby kompensiert. Das Internet war für mich eher ein Bereich, in dem man sich inspirieren lassen konnte oder über konkrete Probleme informieren konnte. Bis vor einigen Tagen, als ich die emotionaleren und auch unterhaltsamen persönlichen Seiten kennengelernt habe. (Schade, dass es in letzter Zeit nicht mehr so viel Aktivität auf des Hofrats Blog gibt! Mich würde vor allem interessieren, wie die Lage heute interpretiert wird, vor allem was den Graben zwischen Erzählrollos und ARStisten angeht. Skyrocks ARS-Manifest v2.0 gibt ja einige Informationen..)

Andererseits habe ich vor kurzem selbst eine Serie zu Tunnels & Trolls gepostet und musste mich doch im Nachhinein wundern, wie apologetisch meine Serie ausgefallen ist. (Dazu vielleicht ein andermal mehr.) Dass es Ausgrenzung im Rollenspiel gibt und den Kampf in den abstrakten und theoretischen Sphären der Metaebenen gibt um die Deutungshoheit, was ein Rollenspiel ist und wie man es richtig, ernsthaft betreibt – das ist mir bewusst. In der Welt der Wissenschaft (und der PR) liest man öfter solche Texte, aber dass es auf der persönlichen Ebene zu Hass und vermutlich wohl auch diesen hervorrufenden Ängsten und Identitätsverunsicherungen führt, war mir neu.

Wie tief sind die Gräben wirklich?
Ein Thema, was mich dabei besonders verwundert, ist der Hass den Settembrini oft auf sich zieht. Für mich ist offensichtlich, dass sein Auftreten zum einen ironisch und pointiert ist und zum anderen er aber auch von einem tiefen Interesse für das Hobby und alle Spieler erfüllt ist.

Umso mehr verwundert es mich, dass ich nun auch bei RPGPundits Blog auf dieselben Erfahrungen stoße. (Das zu sichten habe ich mir für die nächsten Tage vorgenommen.) Auch er thematisiert die Gräben zwischen den Rollenspielkulturen. Aber vor allem schreibt er in den aktuellen Beiträgen darüber, welchen Hass er erfährt.

Wie kommt es, dass wichtige Persönlichkeiten der OSR Community solche Erfahrungen machen, obwohl sie sich doch so verdient gemacht haben um das Hobby? RPGPundit und Settembrini sind mir in den Foren, in denen es wirklich zunächst einmal um Interessantes rund um das Hobby ging, nicht durch ihre Konfrontationslust aufgefallen, sondern dadurch, dass sie viel zum Rollenspiel beizutragen hatten.

Ich bin beunruhigt, auf was ich bei den Blogs anderer Koryphäen stoßen werde und fürchte um mein Bild vom Rollenspielhobby und den Communities. Ich kann nur sagen, dass ich nicht weiß, wo ich heute im Rollenspielhobby wäre, ohne all diese Menschen, die ihre Erfahrungen geteilt haben. Ich wünsche ihnen und euch allen, dass ihr eure Zeit und Energie nicht mit und in solchen Angelegenheiten verlieren müsst.

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23 Antworten to “Hass in der Community”

  1. das (https://craulabesh.wordpress.com/2013/03/18/charaktertod-im-polyeder-podcast/) geht auch darauf ein. Vielleicht bündele ich die Überlegungen mal irgendwann..

  2. nochmal zum Thema Tool/Identifikation. Wir Menschen sind ja im normalen Leben auch nicht bloß Darsteller unserer selbst, wir sind frei, aber unsere Handlungen haben Konsequenzen und nicht wir, aber unser Körper ist, nicht nur, aber auch nun mal Werkzeug, wenn auch unser Körper etwas ganz besonderes und unersetzliches ist, an das wir, unsere Identität und Existenz gebunden ist. Ich denke diese Parallele erleichtert die Identifikation.

    Das Werkzeug betrachtet die Welt nach den Regeln der Vernunft (wenn es nicht gerade überall Nägel sieht), es ist sozusagen geronnene Vernunft, es existiert nur, weil es in einem Universum ist, in dem es Naturgesetze gibt, Konsequenzen, Hebel. Das will ich natürlich simulieren.

    Ich finde es gut, wenn Charakter (weil Spieler) von den Naturgesetzen ausgeht. Klar kann man zum Taschenlampenfallenlasser werden, aber man kann ja auch sterben im Rollenspiel – nicht als Bestrafung im moralischen Sinne, sondern aus Konsequenz in dem Sinne, dass das Handeln Konsequenzen hat.

    Beispiel aus einem anderen Blog:
    Ein nicht allzu heller Barbar trifft auf die Räubergruppe, die ihn Tage zuvor ausgenommen hat.

    Der Poster meint nun ARS bedeutete einen gut koordinierten und vorbereiter Angriff auszuführen.
    Charakterspiel wäre dagegen, zu brüllen und notfalls alleine ogerhammerschwingend loszustuermen.

    Ich wende ein, mich interessiert eh nur das ARS. Und das heißt, der Spieler ist frei zu tun was er möchte. Das andere kann für mich also auch ARS sein. Im schlimmsten Fall und in dem Fall, den der Poster hier beschreibt ist es aber eine Form von Taschenlampenfallenlasserei die ich nicht möchte – die fast logische Kausalität der Handlung, die der Poster hier beschreibt, lässt eher auf letzteres folgen.

    Das schlimmste ist, dass der „Charakterspieler“ nicht einmal Thrill dabei verspürt, weil er glaubt, dass er nicht stirbt. Der „Charakterspieler“ erwartet nicht, dass sein Charakter stirbt, er erwartet Erfahrungspunkte für die „gefährliche“ Situation und das Aussspielen des Charakters. Alles reine Simulation von Story. Aber wo bleibt das Wagnis, das Risiko, der erhöhte Puls und der Thrill? Das gibt es beim Rollenspiel. Das kann Rollenspiel auch. Und wenn das passiert, dann gibt es eine Identifikation mit dem Charakter. Wie sieht es ohne das aus mit der Identifikation mit dem Charakter? Ich halte es für ein Gerücht, dass Menschen sich einfach so unmotiviert umbringen. Psychologisch völlig unplausibel. Kein Mensch, reine, oberflächliche Fassade. Das Ausspielen eines Stereotypes.

    Das schlimmste ist ja nicht mal, dass das so ist. Sondern, dass diese Menschen das eben nicht so sehen. Ich spiele ja auch Stereotypen, Grabräuber, aber ich habe Spaß dabei und bin offen und ehrlich und erkläre das nicht zur höchsten Kunst. „Charakterspiel“ impliziert diese Wertung. Es impliziert, die „anderen“ spielten keine „Charaktere“ (oder ohne „Charakter“?).

    Ich finde Story und Charakterspiel entspringen aus der MoR. Thrill aus dem ARS. Was bietet Charakterspiel? Gemütlichkeit?

    sry, aber es musste doch mal wieder raus :)

  3. Ich würde dann das Brettspiel auf so einem Virtual Desktop a la Maptool gespeichert haben und aktualisieren. Könnte ich dann immer bequem drauf zugreifen und Counter verschieben. Das sollte natürlich kein Selbstzweck sein und deshalb auch ruleslight und abstrakt.

  4. Kurz gesagt: auch das politisch-strategische Spiel im Rollenspiel als Sandbox (wobei ja jedes strategische Kriegsbrettspiel eine Sandbox ist).

  5. Ja klingt gut, würde ich auch genauso sehen. Aber ich meinte eigentlich eher die Spielleiterebene. Damit man da ein wenig Struktur in die Makroebene hineinbekommt und Effekte der Spieler, wenn sie denn auf dieser Ebene schon effektiv sind, zu Reaktionen führen und ihre Kreise ziehen. Das ist sozusagen das, was ich aus des Prussian Gamers Sound Advice ziehe.
    Auf der Spielerebene müssten diese Informationen, die die Marker darstellen wohl erst mühsam erreicht werden. Vielleicht haben sie ihre eigene strategische Karte, die aber mit der des SL nicht notwendigerweise übereinstimmt. Spione, Berater, Generäle wären da die Informationsquellen.

  6. Kriegsführung im RPG: Da halte ich gar nichts von Truppenmarkern auf grossen Karten hin- und herschieben. Von oben schauen nur die Götter. Rollenspiel soll IMHO immer die Charaktersicht simulieren! Andernfalls wird es ein Strategiespiel, Wargame, o.dgl.

    Wenn meine Spieler ein paar hundert Reiter anheuern und in die Schlacht schicken, bekommen sie trotzdem nur, was ihre Charaktere sehen.
    Und für die aktive Kampfteilnahme von Charakteren habe ich meine speziellen Schlachtgenerator-Begegnungstabellen. :-)

  7. Die Gamifizierung dieser Ebene sehe ich übrigens auch als eine Interpretation oder in Verwandtschaft zu den Handlungsmaschinen des Prussian Gamers Sound Advice.

  8. ist aber nicht uninteressant das Thema. Wie wichtig Straßen sind, sieht man daran, dass Alexander bei der Eroberung dem Verlauf der Königsstraße folgte, dass sie im östlichen Teil der Seidenstraße folgt. Bei Drahota: Skizzen zur Geschichte der Preise, 259 ff. wird auch auf die Transportkosten eingegangen, die Relationen sind für See, Fluss und Land mit 1 : 4,9 und 28 ermittelt worden.

  9. gute idee zu den Autobahnen. In meiner Zeit ist das mit dem Überlandverkehr wahrscheinlich eh noch problematischer, zumindest waren es wohl eher Wege als Straßen und nicht standardisiert, die Römer kamen ja noch nicht. So weit ich weiß gabs da nur diese persischen Königsstraßen. (Andererseits wäre es nicht unplausibel, wenn sie gerade in der Zeit der Diadochen auch schon damit angefangen hätten, interstädtische Handelsstraßen auch außerhalb Griechenlands zu bauen, würd mich nicht wundern, wenn sich das die Römer abgeschaut hätten.) Ich werde da mal zu gegebener Zeit etwas posten..

  10. hm ja interessant. Naja ich werd mich da mal in der hiesigen Bibliothek einlesen, wenn sich der Skopus ändert. Ein bisschen hab ich dazu schon aufgeschnappt. Aber am Ende wird das halt auch nur ein Spiel auf der Metaebene, sowas wie Risiko, denke ich, oder was schon schlaue Köpfe vor mir recherchiert und spielerisch umgesetzt haben a la http://boardgamegeek.com/boardgame/1496/imperium-romanum-ii.
    Ist ganz gut, wenn man so was auch als Hobby und Weiterführung des geschichtlichen Interesses auffasst.

  11. Autobahnen auf google maps sind auch ein sehr guter Indikator für Heer- und Handelsstrassen!

  12. Die römischen Strassen hab ich in einer Dissertation gefunden, die ich wiederum über medievalists.net gefunden habe.
    Aber um es einfacher zu machen: Auch die Thraker werden vorzugsweise an den Flusstälern entlang durch die Berge gereist sein.
    Bspw. Römer, Kreuzzüge, Orient Express: von Belgrad nach Thessaloniki gibt es nur eine sinnvolle Route.

  13. Ja die Map ist mir aufgefallen, gefällt mir. Ich behalte mir noch vor, meine Kampagne irgendwann mal in so eine Richtung zu gestalten. Der alexandrinische Open Game Table hat sich da eh noch nicht soo richtig durchgesetzt, das Interesse an Sandbox-Dungeoneering ist in meinem Freundeskreis wohl doch nicht so ausgeprägt. Im Moment läuft es auf eine Kerngruppe hinaus, mit der könnte man was politisches also irgendwann mal machen. Wo hast du eigentlich die Informationen über Wege her? Solche Quellen würden mich interessieren, im Moment halte ich das ja noch klein mit Apollonia..

    Zu deinem Kommentar:
    „‚- SC als ersetzbares Plotlösungstool oder als Handlungszentrum und Identifikationsfigur?‘
    Beides, lautet meine heutige Forderung.“

    Meine ganz ehrliche Meinung dazu, ich glaube diese Teilung ist eh problematisch, aber andererseits auch wieder verständlich. Also ich verstehe was gemeint ist, teile aber die Grundannahmen nicht. Ich glaube beim Spieler als Tool kann es auch eine sehr starke Identifikation geben. Story gibts in der Sandbox auch, cool ist die auch, besonders weil sie emergent entsteht. Identifikation gibts da auch und das Besondere an ihr ist, dass der Spieler völlige Freiheit hat. Ich würde mich wehren die Begriffe von einer anderen Spielart besetzen zu lassen. ich würd die Identifikation nicht hochhalten, ähnlich wie die Story, weil die eh immer drin sind. Böse formuliert: Wenn man aber nun beide betont, könnte es sein, dass man nix anderes hochhalten kann?

    Diese Methode mit der Reduktion auf das Wesentliche von der spielmechanischen Perspektive hatte ich damals schon mit D&D4 probiert. Aber es fehlte ja wirklich die strategische Ebene im Regelsystem. Das Abenteuer als gerailroadete Aneinanderreihung von sandbox-Kämpfchen, die von einem thematischen, schönen Fluff umgeben sind.

  14. Inzwischen habe ich mich allerdings vom xErz-Konzept losgesagt.

    „- SC als ersetzbares Plotlösungstool oder als Handlungszentrum und Identifikationsfigur?“
    Beides, lautet meine heutige Forderung.

    Ich finde es übrigens interessant, dass Du Deine Thrakien-Kampagne anscheinend auf das Dungeon-wesentliche reduzierst.
    Ich leite z.Z. eine historische Kampagne in der gleichen Gegend, aber im Jahr 1277.
    Dabei sind alte thrakische Ruinen ebenfalls von Bedeutung, allerdings auch die Einmischung der Spielercharaktere in die Politik, die Kirchenfragen und das Kriegsgeschehen auf dem Balkan. Gehört für mich irgendwie auch dazu.

  15. Wobei ich natürlich hoffe, dass meine Nutzung des ARS-Begriffes der Wahrheit und dem rechten Geschmack entspricht ;) Könnte das nicht ne schöne ARS-Definition sein? „Wahrheit und Geschmack.“ !
    Es gibt ja viele Foren, in denen über den Begriff diskutiert wird und wo gefragt wird, was das wirklich bedeutet. Ich hab sie eigentlich gar nicht durchgelesen. Skyrock’s Manifest hab ich gelesen, ich weiß, dass das aber nicht als exklusive oder unumstrittene Definition gesehen wurde und ich weiß, dass es Prussian Gamer’s Sound Advice auch als so etwas wie eine Definition verstanden werden kann.
    Ich fand es immer irgendwie geschickt, diesen Text über Handlungsmaschinen als „Definition“ von ARS zu lesen. Weil das bedeutet ja erst mal, dass ARS nicht wirklich definiert oder definierbar ist und dass man nur indirekt auf einen ARS-Begriff schließen kann.

    ARS ist wie die Bibel.

    Passt doch, würd ich gleich sagen. Man kann sich nur anstrengen, über die Ressourcen, die die Community zur Verfügung stellt, diese zu verstehen und sich selbst, das ist ein Prozess auch der Selbstidentifikation und hat natürlich auch was mit Ironie zu tun, mit Veränderung von Grenzen, unterschiedlichen Erfahrungen. Find ich gut, dass der Begriff flexibel genug dafür ist. Erlaubt, erzwingt Diskussionen. Fand ich immer toll.

    übrigens hab ich noch eine Definition von dir gefunden, die ich auch sehr nachvollziehbar finde:

    Im Zweifelsfall unterscheide ich nach folgenden Kriterien:
    – Tödlichkeit für SCs? Hoch/ständig: ARS; niedrig/nach Drama: xErz.
    – SC als ersetzbares Plotlösungstool oder als Handlungszentrum und Identifikationsfigur? Tool: ARS; Zentrum: xErz.

    http://www.the-prussian-gamer.de/index.php?topic=555.10;wap2

    Alles Dinge, die ich meinen Spielern predige und in meiner Kampagne umsetze.

  16. Settembrinis Wirken als „Titan der Wahrheit & Leuchtturm des guten Geschmacks“ hat vielen weitergeholfen, mir natürlich auch.
    Wobei man manche Erfahrungen trotzdem erst selber machen musste…

  17. Es steht Dir natürlich frei, den ARS-Begriff zu nutzen und weiterzudefinieren. Ist ja keine eingetragene Marke.

    Mit D&D4 war eines meiner Probleme, dass ich den Bezug zwischen Regelmechanismen und simulierter Spielwelt nicht hinbekommen habe. Bei AD&D2 weiss ich immer, was mein Charakter tut, bei D&D4 stehen die Mechanismen im Weg und man muss das Spiel unterbrechen um sich zu überlegen, was eigentlich passiert. Merkwürdig… Und die Mearl’schen Offenbarungstexte liessen auf ein blankes Unverständnis der Spielweise erkennen, die man heute oldschool nennt.

  18. interessanterweise habe ich gerade wieder mit D&D4 nach Jahren angefangen etwas zu leiten und war auch begeistert, musste dann aber sehen, dass mir das Leiten zu kompliziert war *hüstel* damals dachte ich übrigens, dass D&D4 oldschool und back to the roots wäre, heute hab ich da einen ganz anderen Begriff ;) (vllt das ARS-D&D4-Problem?)

  19. Hallo Ghoul, ja nachdem ich ja schon ein wenig den Blog hier laufen ließ, bin ich dann doch einmal auf die Idee gekommen, den auch mal offizieller bekannt zu machen :)
    sehr interessant, deine Position als direkt beteiligter zu hören. Ich habe ja auch gemerkt, dass ich da um so etwa 7 Jahre zu spät gekommen bin, was die Hochzeit des ARS als Begriff angeht (und vielleicht auch die Aktivität einer Community?). Für mich klingt das alles nicht nur nach Polemik, es ist auch sehr unterhaltsam geschrieben (Settembrini ist ja offensichtlich eine Rolle gewesen) aber es waren auch interessante und inspirierende Inhalte – und was ich mit diesem Post sagen wollte war, dass dies doch das wichtigste ist!
    Mich persönlich haben erst solche Diskussionen in englischen Internetforen teilweise Jahre später darauf gebracht, mich meiner Megadungeon-Sandbox zu widmen. Vielleicht geht es auch anderen so? Dieser Blog hier dient auf jedem Fall auch dazu, das ganze zu dokumentieren, denn was so in englischen Foren geschrieben steht, findet man selten auf deutsch. Aber selbst ich, der eh immer mehr englische Foren gelesen habe, finde es für das Rollenspiel wichtig, die Ressourcen in der eigenen Sprache zu haben. Deshalb übersetze ich auch viele kleine Zitate hier.
    Aus meiner Wahrnehmung verbinde ich ARS mit der OSR und Dingen, die damit zusammenhängen, vor allem Sandbox. Diese Themen sehe ich durch D&D4 nicht abgewürgt. D&D4 wurde ja auch von Settembrini (glaube ich) stark kritisiert als Encounterisation. Wenn ich versuche das zu interpretieren (und die Diskussionen und Inspirationen und glücklicherweise nicht zu Ende definierten Begriffe wie ARS laden förmlich dazu ein) dann sehe ich das Problem beim der Encounterisation, dass nachher vorher ist, dass eine größer angelegte Dimension des Ressourcenmanagement wegfällt, wenn alle 5-Minuten-Pausen und diese Milestones immer für Sicherheit sorgen. Es ist, wie hier gesagt: http://revolution21days.blogspot.de/2012/01/why-d-has-lots-of-rules-for-combat.html
    D&D4 schafft vielleicht zu viel Sicherheit? ARS geht um Bedrohung, Kampf generell sollte vielleicht eher um Bedrohung gehen?
    Egal, ob das jetzt ARS trifft oder nicht, ich merke, dass ich meinen Spielstil beschreiben muss. Das was ich hier beschreibe wird oft als Kulturschock für viele Rollenspieler in meinem Umfeld wahrgenommen. ARS hilft mir dabei, das zu verpacken.

  20. Hallo Craulabesh!

    Ich habe Deinen Blog soeben via rsp-blogs.de entdeckt.

    Zu „ARS“: Das war ein Kampfbegriff, den Settembrini und verwandte Seelen in der Prä-D&D4-Ära benutzt haben, weil der Begriff „normales Rollenspiel“ von den Plotisten einfach nicht in unserem Sinne verstanden worden wäre. Natürlich haben wir polemisiert und bewusst Ärger auf uns gezogen, aber auch Aufmerksamkeit.
    D&D4 kam unerwartet, wie eine Parodie auf ARS. In dem Moment hätte man unsere „Theorie“ weiterentwickeln müssen, aber um Theorie ging es uns ja in Wirklichkeit nicht, sondern um die Praxis am Spieltisch. „ARS“ geistert als Begriff seitdem noch durchs Internet, und es ist immer wieder amüsant zu sehen, wenn der Begriff von jemandem aufgenommen wird.
    Im Grunde haben wir ja auch schon alles oft gesagt, was wir zu sagen hatten, es ist von unserer Seite nichts grundsätzliches hinzuzufügen.
    Settembrini scheint sich jetzt mehr mit Wargames zu beschäftigen, von Skyrock und einigen anderen habe ich schon sehr lange nichts gehört. Ich bemühe mich inzwischen mehr um Nutzbares in meinem Blog als um polemische Attacken und blanken Unfug. Im Disputorium http://www.the-prussian-gamer.de/ kannst Du Settembrini direkt erreichen.

    Gruss
    ghoul

  21. Hallo JensN,
    Willkommen auf meinem Blog und vielen Dank für den Kommentar.

    Für mich ist die Konsequenz aus dem, was du sagst, dass man sich üben muss, auch unterschiedliche Tonlagen aushalten zu können. Höflichkeit ja, die Kunst, andere zu ignorieren, ja. Ich meine wir sind im Internet, keiner zwingt einen die Dinge zu lesen. Es lebe die Meinungsfreiheit.

    Worauf es doch ankommt ist, dass da draussen wirklich relevante Dinge zu unserem Hobby gesagt werden. Das ist doch Gold wert. Ich verstehe nicht, wie man das mit Befindlichkeitsdiskussionen oder in Gruppenkuscheln ersticken kann.

    Klar kann man von einem falschen Ton verletzt sein, aber das ist doch was anderes als von einer Waffe verletzt zu werden.

  22. Hallo craulabesh,

    bei der Suche nach Gründen für Anfeindungen im Internet findet man mMn am ehesten Ursachen die das ganze Netz betreffen und damit auch vor RPG-Seiten nicht halt machen.
    Es ist einfach jemandem den man nicht direkt vor sich hat etwas unschönes zu schreiben. Außerdem hat dieser nicht die Möglichkeit direkt zu reagieren und sei es nur durch Mimik. Des weiteren hat der Leser die völlige Deutungshoheit über das geschriebene. Dieses sind Eigenschaften die das Wesen der Schriftlichkeit ausmachen und nicht erst mit dem Internet neu sind. Nur wird seit über das Internet kommuniziert wird, viel mehr schriftlich kommuniziert und Hemmschwellen sind gesunken. Dazu kommt noch, dass man allgemein oft davon hört, dass der Druck im Arbeitsleben und damit verbundener Stress steigt, wobei man im Netz auch schnell mal Dampf ablassen kann, was sicher auch positive Effekte hat. Außerdem hat sich sicherlich die Schreibkultur allgemein geändert.
    Insgesamt kann man dies mMn durchaus als eine normale Entwicklung ansehen. Wenn man daran etwas ändern will sollte man vielleicht politisch teilhaben, um zur Entschleunigung und Stressvermeidung beizutragen.
    Letzendlich ist diese Entwicklung des Wandels aber mMn nicht aufzuhalten, da Medien wie das Pferd, der Buchdruck, das Internet immer bahnbrechende Gesellschaftliche Neuerungen mit sich brachten die nie aufzuhalten und nur zu gestalten waren.
    Das Internet ist entfesselt und wir Menschen sind stärker diesem Medium ausgeliefert und werden stärker davon beeinflusst als vielen bewusst ist.

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