Hellenismus im Rollenspiel – Teil 3: Paul Elliotts Spielsysteme

Nachdem wir schon einen Blick auf Paul Elliotts Rollenspiele geworfen haben, vor allem auf die abstrakte Darstellung von politischen Akteuren wie Siedlungen, Reichen und Armeen, schauen wir uns hier noch einmal an, wie die Systeme die Antike und vor allem den Hellenismus weiter simulieren.

Das erste Rollenspiel im Hellenismus, mit dem der moderne Rollenspieler konfrontiert wird und das diesen Namen tragen darf, ist meines Wissens nach, Paul Elliotts kostenloses Warlords of Alexander. Es kommt aus dem Jahr 2004, bedient sich aber sehr bei seinem auch kostenlosen Vorgänger Zenobia aus dem Jahr 1999, das damit noch vor Volker Bachs Text herausgekommen ist (und noch vor Gladiator aus dem Jahr 2000 erschienen ist, welches ja den allgemeinen Antike-Trend angestoßen hat). Das neueste und kommerzielle Projekt ist 43AD, ein preisgekröntes Spiel, welches das Regelwerk von Zenobia in das England der römischen Besatzung mitnimmt.

Wer etwas von dem im ersten Teil erwähnten französischen Rollenspiel Oikumene mitnehmen möchte, könnte Google-Translate anschmeißen, sich von einigen der Abenteuer inspirieren lassen, um sie mit Paul Elliotts Warlords of Alexander zu spielen. Das Spiel spielt in der gleichen Zeit, 270 vor Christus.

Beim Durchlesen von Paul Elliotts WoA drängt sich der Verdacht auf, das Elliot Bachs Philos Basilikos gelesen hat, einige Formulierungen scheinen  wortwörtlich übernommen und das wundert mich nicht, weil Bach seine Sache sehr gut macht. Bei Elliott liest es sich so:

Es handelt sich um das klassische Griechenland auf die gesamte Welt ausgebreitet […]. Diese fast universelle griechische Kultur ersetzt gut die akzeptierte Fantasygesellschaft die in vielen RPGs vorhanden ist und ungeschriebenes Gesetz ist. Tatsächlich ist die Periode der Diadochen auf jede Weise für Rollenspiel geeignet, da sie die Standards und Annahmen des Fantasyspiels gut wiedergibt: eine gemeinsame Sprache (tatsächlich war der allgemein genutzt Dialekt des Griechischen als koine Griechisch bekannt, was fast buchstäblich “allgemein” bedeutet), eine Vielzahl von streitenden Königreichen, eine akzeptierte universelle Kultur die von den meisten zivilisierten Menschen verstanden wird, ein bekanntes Götterpantheon, ein bekanntes Bestiarium von Monstern und übernatürlichen Wesen und eine internationale Gesellschaft, die schwerbewaffnete und -gerüstete Abenteurer, die auf der Suche nach Glück und Ruhm umherziehen toleriert und begünstigt.

Warlords of Alexander basiert auf Chaosiums Basic-RPG. Es gibt gute Hintergrundinformationen zur politischen Situation und zu den religiösen Kulten. Elliott versucht sowohl die historische Seite als auch die mythologische Seite mit seinem Rollenspiel zu erfassen. Religion und Magie spielen eine Rolle, das war schon bei Zenobia so, wo ein wichtiges Attribut Schicksal ist, das durch Opfer aufgebaut wird und wohl auch so etwas wie Selbstbewusstsein darstellt.

Schön ist auch der Philosoph umgesetzt, der ein Reservoir von Punkten hat, die er benutzen kann, um Erfindungen in die Wege zu leiten. Diese sind immer persönlich gebunden, das heißt, sie werden eben nicht industriell oder von staatlicher Seite genutzt – außer unter Aufsicht des Philosophen selbst. Will er eine andere große Erfindung machen, so muss er seine alten Erfindungen aufgeben, um die Punkte wieder zu erhalten. Ein schönes System, um zu simulieren, wie wenig wirtschaftlich orientiert die Ingenieure damals vorgingen.

Besonders aber lohnt es sich, einen Blick in seinen Vorgänger Zenobia zu werfen, das zwar 700 Jahre später spielt (und damit nicht mehr in der Frühphase des Hellenismus, sondern in der Spätantike). Hier finden sich interessante Tabellen zu Stadtbegegnungen in den einzelnen Bezirken u.ä.

Im nächsten Teil kommt Kieros Hellenismus-Hack von Autarchs ACKS unter die Lupe.

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